Paper Route - Absence - Cover
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Paper Route Absence


  • Label: Motown/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Nashville – Die Heimat der Kings of Leon und vieler weiterer berühmter Rockbands, die es ordentlich krachen lassen. Unter dieser Herde von Qualitätsbands gibt es natürlich auch schwarze Schafe. Damit sind keinesfalls die schlechten Bands gemeint, denn diese haben eher ergrautes Fell. Wirklich schwarzes Fell heißt, dass da ein Gegensatz vorhanden ist. Etwas, das sich so gar nicht ins Gesamtgefüge drängen lassen will und solche Artgenossen werden zumeist gemieden oder zumindest, wenn nicht noch schlimmer: ignoriert. So ist es – auch wenn sie nicht aus Nashville, sondern der Schweiz kommen – Manana ergangen, die mit ihren herrlichen Elektro-Indie-Pop-Rock nur wenig Beachtung außerhalb der Heimat fanden. Genau diesen Stil haben sich nämlich auch Paper Route zur Brust genommen. Die Symbiose aus vielen, dem Computer entsprungenen Klängen und echten Instrumenten, wobei besonders die schwebende Gitarre und das pumpende Schlagzeug als zentrale Elemente zu nennen sind.

Schon die ersten Pianoklänge des Debüts schnappen sich den Hörer und nehmen ihn mit auf eine emotionale, kunstvolle Reise mit, die es großteils schafft, nicht kitschig oder gekünstelt zu wirken. Hier wird der Rockfaktor noch zurückgenommen und eine reine Einweisung in die Klangwelten der Paper Route wird vorgegeben. Mission gelungen, auch wenn dieses Lied natürlich zum Entspannen ist. Umso kraftvoller wirkt dafür die Hymne „Wish“, welche von durchdringendem Gesang und präsenten Gitarren geleitet werden, während Synths und Schlagzeug eine sich abstoßende und anziehende Lebensform bilden, die das Lied wie einen Januskopf jeweils von zwei Seiten sehen kann. Mal umspielend, mal vorpreschend. In der Riege dieser zwiespältigen Melodien befinden sich noch so einige Stücke, wie zum Beispiel das radiotaugliche “Carousel”, das elektronische gewitternde „Tiger Teeth“, das hyperaktive „Last Time“ und die instrumentale Achterbahn „Are We All Forgotten“.

Ansonsten wird man auf einem fliegenden Klangteppich mitgenommen in entspannte, beinahe kühle Soundlandschaften oder auch herrlich romantische, die in manchen Fällen trotz aller Kunst dem Kitsch die Klinke in die Hand drücken („Lover’s Anthem“). Die Lieder sind alle sehr homogen und gleichen sich in gewisser Weise, doch das sorgt für Identifikation. Es ist eines dieser Alben, die sich als Gesamtkunstwerk mit kleinen, erfrischenden Ausbrechern präsentieren. Dabei kommen dann auch Perlen wie „Dance On Our Graves“ heraus, wo ordentlich aus dem vollen der Terrabyte geschöpft wird. Paper Route bleibt zu wünschen, dass sie, wie Manana, Zuspruch finden und unbeirrt ihren Weg gehen, denn solche Experimente, die am Ende doch so einfach und doch ambivalent klingen sollte man nicht missachten.

Anspieltipps:

  • Wish
  • Dance On Our Graves
  • Good Intentions

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