Metallica - Français Pour Une Nuit - Cover
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Metallica Français Pour Une Nuit


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 190 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Am 7. Juli 2009 spielten Metallica im Zuge ihrer gefeierten und allerorts ausverkauften „Death Magnetic-Tour im Romanischen Collosseum in Nimes, Frankreich, einem malerisch schönen Amphitheater. Da solche Auftrittsorte auch für alte Hasen wie Metallica noch etwas Besonderes darstellen, hatte die Band für diesen Abend ein französisches Filmteam beauftragt, um den Gig für eine DVD-Auswertung mitzuschneiden. Der Plan: Die DVD sollte später ausschließlich in Läden in Frankreich und über die Homepage der Band bzw. ihrer Plattenfirma erhältlich sein.

Doch das Internet macht die Welt zu einem Dorf. Wer sich nur ein wenig Umschaut, kann hierzulande nicht nur die reguläre Live-DVD „Francais Pour Une Nuit“ problemlos erwerben, sondern mit etwas Glück auch die opulent aufgemachte Sammlerausgabe in einer riesigen Pappschachtel, die auf der Metallica-Homepage als „extrem limitiert“ angepriesen wird. Allerdings erfährt der geneigte Käufer nicht, auf wie viele Einheiten die Sammlerbox beschränkt ist. Fakt ist jedenfalls: Geduld wird belohnt. Denn eine Bestellung über die Metallica-Homepage treibt den Preis allein schon aufgrund der horrenden Versandkosten dermaßen in die Höhe, dass im Vergleich zum heimischen Erwerb am Ende die doppelte Summe zu Buch schlägt. Dies als Tipp, da im Dezember 2009 mit „Orgullo, Pasion y Gloria: Tres Noches En La Ciudad de Mexico“ bereits die nächste Metallica Live-CD/DVD ansteht und es Gerüchte gibt, dass auch die 2009er Auftritte in Kanada als CD/DVD-Box angeboten werden sollen.

Wer sich den Luxus der Sammlerausgabe leisten will, ist mit ungefähr 70 Euro inkl. Versandkosten dabei. Dafür bekommt man das zweistündige Live-Konzert sowie ein 37-minütiges Band-Interview plus fünf Videoclips geboten. Dazu liegen der Box als mehr oder weniger wertvolle Gimmicks ein exklusives T-Shirt, fünf Foto-Farbdrucke, ein 16-seitiges Booklet, ein laminierter Tourpass, ein Schlüsselband sowie das aktuelle „Death Magnetic“-Album in einer lieblosen Papphülle bei. Es gilt also wie immer bei Box-Sets dieser Art: Ein Haufen Schnickschnack, der sich als Luxus-Regal-Eyecatcher sehr gut macht, aber auch die Mutter aller Geldvernichtungen darstellt.

Kommen wir zur Musik. Noch bevor die ersten Töne des Openers „Blackened“ im druckvollen 5.1 DTS Surround Sound aus den Boxen ballern, verursacht allein der Anblick der beeindruckenden Kulisse des knallvollen Amphitheaters Gänsehaut. Metallica wissen sich wahrhaft zu inszenieren, indem sie das Collosseum in gleißendes Licht tauchen, mit dem Publikum kommunizieren und auf die richtige Songauswahl setzen, wobei nach fast 30 Jahren im Heavy-Metal-Zirkus und mit zehn Studioalben im Gepäck, wohl immer irgendjemand etwas an der Setlist aussetzen hat, weil dieser oder jener Song fehlt. Dieses Problem wird sich auch nie lösen lassen und Metallica machen das Beste daraus, indem sie eine Mischung aus aktuellen Songs und „some old Stuff“ präsentieren – und „natürlich“ nichts von „St. Anger“ spielen. Doch das verwundert nicht wirklich, da dieses Album für immer mit schmerzhaften Prozessen innerhalb der Band verbunden ist, was sich in vertracktem Songwriting, einer schwer verdaulichen Prügelorgie und einem merkwürdig verstimmten Schlagzeugsound äußerte...

Im Songwriting von „Death Magnetic“ ist die puzzleartige und für den Hörer recht anstrengende Zusammensetzung von Riffs, Breaks und Bridges noch sehr deutlich spürbar („Cyanide“). Metallica lösen dieses „Problem“ durch die Beimischung rockiger Klänge des schwarzen Albums („Sad but true“) oder den progressiven Strukturen von „...And Justice For All“ („One“). Aus der Klassikerabteilung stehen u.a. „Master of puppets“ und „Seek and destroy“ auf dem Programm und für Metallica-Puristen hat sich mit „Fuel“ sogar ein kleiner Stinkstiefel aus dem „Re-Load“-Album in die 18 Songs umfassende Setlist eingeschlichen.

Damit ist eigentlich alles dabei, was ein herausragendes Metallica-Konzert ausmacht. Es sein denn, man möchte der Band zumuten, drei Stunden oder noch länger zu spielen, damit auch noch der letzte Klassiker zu Gehör kommt. Doch wie wäre es, einfach etwas zu warten und mit dem Kauf der „Orgullo, Pasion y Gloria: Tres Noches En La Ciudad de Mexico“-CD/DVD etwaige Lücken im Live-Repertoire zu schließen?

Anspieltipps:

  • One
  • Fuel
  • Cyanide
  • Fade to black
  • Enter sandman
  • All nightmare long
  • The day that never comes

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