Enno Bunger - Ein Bisschen Mehr Herz - Cover
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Enno Bunger Ein Bisschen Mehr Herz


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 47 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Emotional verpackter, gefühlvoller Pop mit großem Piano-Anteil.

Enno Bunger: So heißt der Piano spielende und singende Namensgeber des Trios, welches um Bernd Frikke am Bass und Nils Dietrich am Schlagzeug vervollständigt wird. Aus Ostfriesland kommen Enno Bunger, spielen überaus charmanten Piano-Pop und stehen nun an den Startblöcken, um das Debütalbum „Ein Bisschen Mehr Herz“ auf die sich nach Sehnsucht und Wohlklang sehnende Musikgemeinde loszulassen. Die durchaus mit kurzweiligen Radio-Hits bestückte Platte wurde im Bochumer Mohrmann Studio von Oliver Zülch (Slut, Tent) sowie der Band produziert und folgt der letztjährigen „Herzschlag“-EP. Dabei ist der Anspruch, emotional verpackten, gefühlvollen Pop mit großem Piano-Anteil und viel zwischenmenschlicher Lyrik samt einprägsamer Hooklines eine stimmige, hoffnungsvolle Angelegenheit.

Zum Auftakt ist die Umsetzung geradezu perfekt, perlt doch das Piano in verspielter Brillanz bei „Herzschlag“ in Verbindung mit Streicher-Sounds und leichten, rhythmusbetonten Percussions zum lieblichen Gesang von Enno Bunger, der textlich zum motivierten Neuanfang aufruft. Auch wenn schon hier die Streicher offensichtlich Süßholz raspeln, ist der Opener gerade durch seine vergleichsweise reduzierte Ausstrahlung einer der besten Momente auf „Ein Bisschen Mehr Herz“. Schon beim folgenden „Hier & Jetzt“ fällt man mit der Tür ins Haus, will den Ohrwurm, den Radio-Hit und trägt in Form von Schlagzeug und Streichern dicker als nötig auf, was gerade im Zusammenhang mit der mutmachenden Text-Komponente arg vorhersehbar und durchschaubar die Freude über die guten Ansätze schmälert. Das Piano holt schon so viel raus, vergnügt mit punktgenau zugepassten Melodien, verliert jedoch an Reiz, wenn es allzu sehr in Watte gepackt nur noch vage unter dem prägnanten Rhythmus-Gerüst und omnipräsenten Geigen-Angebot auszumachen ist.

Welchen Zauber Enno Bunger parat halten, zeigt „Weltuntergang“, wenn einmal die Sounds zurückgefahren werden und die Tasten neben dem Hoffnung sowie gleichermaßen Zerbrechlichkeit spendenden Gesang die Hauptrolle übernehmen. Warum zum Ende des Songs erneut die vermeintlich gefühlsbetonten Streicher den Aufstand proben und die Ruhe durchbrechen, wissen nur Enno Bunger selbst – dem Track tut es jedenfalls nicht gut. Anders beim Titelsong, wo instrumental stimmig jongliert wird und die Freude wieder einkehrt. So bleibt es eine Platte mit Höhen und Tiefen, mit ausbalanciertem Wohlklang und dem Zu-viel-wollen, allzu einfacher Poesie und den richtigen Worten zum Neuanfang. Zweischneidig, aber reizvoll.

Anspieltipps:

  • Herzschlag
  • Weltuntergang
  • Unfassbar
  • Ein Bisschen Mehr Herz

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