Dead Man´s Bones - Dead Man´s Bones - Cover
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Dead Man´s Bones Dead Man´s Bones


  • Label: Anti Records
  • Laufzeit: 44 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine wundervolle Spätjahresüberraschung. Der aus dem Kritiker- aber nicht Publikumserfolg „Half Nelson“ bekannte kanadische Schauspieler Ryan Gosling und sein amerikanischer Berufskollege Zach Shields lernen sich 2005 in Toronto kennen und verfolgen bald darauf den Plan ein Grusel-, Geister- und Spuktheaterstück zu inszenieren.

Nun, aus dem Theaterstück ist nichts geworden, umso mehr aber aus der hierfür vorgesehenen Musik. Eine Monster-Geister-Liebesgeschichte, ein skurriles Konzeptalbum, auf dem die beiden Protagonisten Instrumente bespielen, die sie teilweise gar nicht beherrschten, ist Dead Man’s Bones Debütalbum geworden. Die Stories von Geistern, Untoten, Gräber-Schaufeln und Liebe werden zudem mittels eines Kinderchors aus Los Angeles (The Silverlake Conservatory Of Music Children’s Choir) umgesetzt. Was gelesen befremdlich erscheinen mag, erweist sich beim hinhören als genialer Schachzug. Wie dieser Kinderchor lauthals krakeelt „I’m a Z-O-M-B-I-E, Zombie!“: manchmal sind die richtigen Ideen die halbe Miete. Dead Man’s Bones schwängern ihren Sound auf so gekonnte Weise mit Doo-Wop-Anleihen, Gänsehaut-Gospel und vaudevillesquen Liedgut, dass man kaum glauben mag, das hier zwei gelernte Schauspieler auf fremden Kunstterrain debütieren und nicht gestandene Musiker. Hätte Tim Burton für „Nightmare Before Christmas“ nur auf diese beiden Herren zurückgreifen können, statt auf Danny Elfmans Musical-Gepansche!

Nach einer nebelumwabernden, vollmondigen Einleitung legt „In The Room Where You Sleep“ die Karten auf den Tisch und lässt klappernd die Friedhofsskelette auferstehen und die Geisterstundenparty beginnen. Beim Lagerfeuer sitzen dann alle beisammen und wanken sich in die hinreißend hypnotische Hymne „My Body Is A Zombie For You“. Wann wurde Liebe zuletzt auf so fremdartig-schöne, verquere Art besungen? „Pa Pa Power“ überrascht mit seinem Ohrwurmpotential und nach den Beschwörungsformeln auf „Lose Your Soul“ („Dig a hole in the middle of the street / Dig it down, dig it down six feet deep“) gehen wir alle sterben. Ernsthaft. Der Titelsong kurz vor Schluss schaufelt das Grab tief genug um sich endgültig gewahr zu sein: hier haben zwei Debütanten und Exzentriker ein großartiges Kleinod geschaffen.

Dead Man’s Bones sind der Soundtrack derjenigen Halloween-Party auf der wir alle noch nie waren. So viel steht fest. Und das Epitaph-Sublabel Anti – Heimat von Oberpoltergeist Tom Waits – ist stilsicher genug, das ganze nicht zu Halloween zu veröffentlichen. Now that’s what I call spooky.

Anspieltipps:

  • In The Room Where You Sleep
  • My Body’s A Zombie For You
  • Pa Pa Power
  • Lose Your Soul
  • Dead Man’s Bones

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