Blk Jks - After Robots - Cover
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Blk Jks After Robots


  • Label: Cooperative/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 46 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
3.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach DJ Mujava sind Blk Jks der zweite internationale Kritikerhype aus Südafrika binnen kurzer Zeit. Hievt der eine das Neunziger-Gebräu Kwaito in House- und Technoclubs des 21. Jahrhunderts, wagen sich die sowohl aus Johannesburg, als auch seinen Townships entsprungenen, allesamt schwarzen Mitglieder der Blk Jks viel weiter in ehemaliges, weißes Feindesland vor – sie spielen Rock (der in afrikanischer Lesart westlich und weiß ist).

Psychedelisch angehauchten, Prog-lastigen Art-Rock um genau zu sein, der in sämtlichen journalistischen Einordnungsversuchen zwei Rahmenreferenzen kennt: TV On The Radio und The Mars Volta. Irgendwo dazwischen und darüber hinaus brauen die vier jungen Männer aus Südafrika ihr eigenes Süppchen, dass sich einfachen Beschreibungen entzieht und als faszinierender, aber schwer verständlicher, oder besser: zugänglicher, Brocken erst einmal erklommen werden will.

Free-Jazz-Anleihen, Roots Reggae-Verweise und Dub-Step-Rhythmik lassen den Rock der Blk Jks überfrachtet wirken, zuzüglich der Tatsache, dass eine südafrikanische Art Songwriting zu strukturieren unseren Hörgewohnheiten weitgehend fremd ist. Entsprechend gebiert sich das Debütwerk „After Robots“ als Exkursion in unbekannte Erfahrungswelten. Rockmusik als herausfordernder Gewinn, wie vor allem auf dem Opener „Molalatladi“ oder „Lakeside“ unter beweis gestellt. Aber der Brocken hat auch durchaus Kanten mit Prellungsgefahr. Es mutet an wie ein Stück weit westliche Künstlichkeit, die Secret Machines’ Brandon Curtis in den New Yorker Electric Lady Studios dem afrikanischen Quartett eingeflößt hat.

In jeder Facette, jeder Bläserpassage, jedem Loop und Overdub, soll das artifizielle Talent dieser Newcomer herausgestellt werden, fast wie ein exotisches Exponat reibt sich der Sound der Blk Jks (gesprochen Black Jacks und damit auch einem westlichen Populärmusiktrend folgend, nämlich die Vokale im Bandnamen zu negieren, siehe MGMT oder MSTRKRFT) unter die eurozentristische Intellektuellennase. Im Ergebnis übersteuert das Prog-Schiff sich also manches Mal („Banna Ba Modino“), zuviel Werksschau und inhomogener Facettenreichtum, selbst bei zwei zarten Verschnaufern („Standby“ und „Cursor“), korreliert mit einer feinen Ader für anspruchsvolle Rockmusik.

Das Debüt „After Robots“ beweist, dass der Vierer aus Johannesburg zu Großem fähig ist, wenn auch hin und wieder Kunst hier unbedingt Kunst sein will. Beim nächsten Mal empfehle ich das Werk von A bis Z unter Eigenregie zu stellen, demaskiert sind sie gewiss mindestens so faszinierend wie ihr jetziges, mysteriöses Cover.

Anspieltipps:

  • Molalatladi
  • Lakeside
  • Skeleton
  • Tselane

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