Wallis Bird - New Boots - Cover
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Wallis Bird New Boots


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 73 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Leben ist kein Streichelzoo und die Welt dreht sich weiter.

Wallis Bird (28) ist eine irische Sängerin und Songschreiberin, die während ihres Musikstudiums in Dublin im Rahmen eines Studentenaustausches einen Abstecher nach Deutschland machte und dabei gleich für 18 Monate „hängen blieb“. Sie belegte ein Gastsemester an der angesehenen Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim, die im Laufe der vergangenen Jahre bereits hoffnungsvolle Talente wie Johanna Zeul, Konstantin Gropper (alias Get Well Soon) oder die Band My Baby Wants To Eat Your Pussy hervorbrachte.

Während ihrer Zeit in Deutschland lernte Wallis Bird verschiedene Musiker kennen, aus denen sich ihre spätere Band rekrutieren sollte. Zusammen mit dem Produzenten Marcus Wüst entstand dann die Debüt-EP „Branches Untangle“ (04/2006) und der erste Longplayer „Spoons” (2007), der auf dem Majorlabel Island Records im Vertrieb von Universal Music erschien. Auf „Spoons“ befinden sich Songs, die Wallis Bird schon im Alter von zwölf Jahren geschrieben hat. Doch trotz ihres jungen Alters fielen die Stücke auf ihrem Debütalbum musikalisch sehr vielschichtig aus. Von Rock bis Pop, über Jazz und Folk setzte sich die kompositorische Kette zusammen, die der jungen Künstlerin zum Teil euphorische Kritiken einbrachte.

Doch das Leben ist kein Streichelzoo und die Welt dreht sich weiter. Von Universal Music hat sich Wallis Bird nach dem kommerziellen Flop von „Spoons“ getrennt (bzw. umgekehrt...) und auch ihre Beziehung ging in die Brüche. An dieser Situation wäre die 28-Jährige beinahe gescheitert, verarbeitete dann aber die vielen Momente zwischen Verzweiflung, Trauer, Wut, Glück und Unglück in einem Bündel neuer Songs, die nun auf ihrem zweiten Album „New Boots“ erscheinen. Und dass die Majors den Glauben an das Talent der Irin nicht verloren haben, zeigt die Tatsache, dass das Album bei Columbia Records im Vertrieb von Sony Music erscheint.

Darauf versammelt Wallis Bird elf neue Studiotracks sowie fünf Bonus-Live-Versionen eben jener Tracks, von denen der Eröffnungssong „Can opener“ ungewöhnlich rockig ausfällt und die Regionen des Bluesrock streift und keinen Vergleich zu den entspannten Stücken des Vorgängers mehr zulässt. Noch eine Spur aufgewühlter klingt der Jazz-Rocker „Travelling bird“ mit dicken Bläsersätzen und stürmischen Akustikgitarren, während „To my bones“ gemäßigter und fröhlicher daherkommt und das entzückende „An idea about Mary“ sich zur Mitte des Album als kleiner Hit herauskristallisiert.

Spätestens hier muss der Hörer merken, dass die vertonten Gefühlswelten der Irin kein 08/15-Songwriter-Pop sind, sondern Lieder mit Leib und Seele, die berühren und Ecken und Kanten haben – so wie das richtige Leben eben auch keinen stromlinienförmigen Verlauf nimmt. Wallis Bird packt den Hörer mit ihren leidenschaftlichen Songs und ihrer ungemeinen Stimmkraft und liefert ein tolles Album ab, mit dem sie das harmlose und wohl auch etwas überproduzierte Debütwerk locker in den Schatten stellt.

Anspieltipps:

  • To my bones
  • Travelling bird
  • An idea about Mary
  • Your morning dream
  • When we kissed, the world fell in love!

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