Pat Metheny - Orchestrion - Cover
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Pat Metheny Orchestrion


  • Label: Nonesuch/WEA
  • Laufzeit: 52 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
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Das „Orchestrion“-Projekt klingt wie die Pat Metheny Group, nur eben ohne die Pat Metheny Group.

Einen Opa zu haben, der ein Musiker ist und in seinem Keller ein selbst spielendes Klavier zu stehen hat, kann nicht jeder sein Eigen nennen. Pat Metheny wurde als Kind von diesem Pianola regelrecht in den Bann gezogen und hat alle verfügbaren Notenrollen hoch und runter spielen lassen. Diese Faszination für mechanisch musizierende Instrumente hat ihn sein Leben begleitet und letztendlich dazu veranlasst sein eigenes Orchestrion zu bauen. Methenys Orchestrion ist jedoch kein einzelnes Instrument, dass ein Orchester imitiert, vielmehr sind es einzelne Instrumente wie Xylophon, Klavier, Percussion-Instrumente, Akustik- und Bassgitarren und viele mehr, die miteinander verbunden sind. All diese Instrumente steuert Metheny mit seiner E-Gitarre, wie auch immer das genau funktionieren soll. Mysteriös, vielleicht sollte man dieses Thema bei Galileo vertiefen.

Das klingt erstmal total spannend, ambitioniert und experimentell, ist es nur leider nicht wirklich. Hut ab vor der Umsetzung eines solchen einzigartigen Geräts, dem Aufwand der Realisierung und auch der Einarbeitung. Nur musikalisch wandelt Herr Metheny auf seinen seit Jahren breit getretenen Pfaden. Er ist unbestreitbar ein sehr guter Jazzgitarrist und hat auch immer wieder sehr gelungene Werke hervorgebracht, ob mit („Still Life (Talking)“) oder ohne („Secret Story“) seine Band. Auf seinen Soloprojekten versucht der 1954 geborene Amerikaner den eigenen musikalischen Horizont zu erweitern, das Korsett der Pat Metheny Group abzulegen. Nur klingt das Resultat leider immer wieder gleich. Sein musikalischer Fuß- oder eher Handabdruck ist sehr charakteristisch und leicht wieder erkennbar, aber nach 30 Jahren Musik wirkt das wie ein durchgekauter fader Kaugummi.

Das „Orchestrion“-Projekt klingt somit wie die Pat Metheny Group, nur eben ohne die Pat Metheny Group. Eigentlich klingt es viel statischer, eben mechanisch, eine Pat Metheny Robogroup. Die vielen Instrumente begleiten lediglich Methenys Gitarrenspiel, können aber keine Akzente setzen. Das liegt sicherlich daran, dass sie von einem Musiker gesteuert werden, der diese Instrumente im eigentlichen Sinne nicht beherrscht. Einzig „Orchestrion“ und „Spirit Of The Air“ haben mehr Abwechslung und somit eine leichte Brise von einem Wiedererkennungswert. Allgemein verkommt die Musik zu einer Ein-Mann-Show ohne Seele. Sehr bezeichnend, dass der eine Titel „Soul Search“ heißt. Jazz lebt nun mal von Improvisationen und dem Zusammenspiel von Musikern. Ein solches Orchestrion verlangt viel mehr Zeit und Praxis, auch von einem solch erfahrenen Jazzmusiker, denn in dieser Form ist es nicht mehr als eine nette Fahrstuhlmusik.

Anspieltipps:

  • Orchestrion
  • Spirit Of The Air

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