Dark Fortress - Ylem - Cover
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Dark Fortress Ylem


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 70 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Perfektion und Zielstrebigkeit, mit der Gründer Asvargr und seine Mannen auf „Ylem“ operieren, sucht seinesgleichen.

Nach einer einmonatigen Tour durch Europa im Dezember letzten Jahres mit den norwegischen Black-Metal-Legenden Satyricon als Headliner ist für Dark Fortress im ersten Quartal 2010 erst einmal die Veröffentlichung ihres sechsten Longplayers „Ylem“ das Maß aller Dinge. Aufgrund euphorischer Kritiken zum vorangegangenen Konzeptwerk „Eidolon“ (02/2008) sind die Erwartungen alles andere als niedrig, doch unterkriegen oder beeinflussen lassen sich die Landshuter Morean (Gesang), V. Santura (Gitarre), Asvargr (Gitarre), Draug (Bass), Paymon (Keyboard) und Seraph (Schlagzeug) davon keineswegs wie der für den 2007 ausgestiegenen Azathoth eingesprungene Morean beteuert: „Als Musiker entfalten wir uns ständig und wollen nie dasselbe Album zweimal aufnehmen. Wo „Eidolon“ wie ein kompaktes Projektil einschlug und präzise tötete, loten wir die inhärente, stilistische Vielfalt der Band weiter als je zuvor aus. Unser Ziel ist es, dass jeder einzelne Song seine eigene, unverwechselbare Identität hat.“

Ohne lange zu fackeln gehen Dark Fortress mit dem titelgebenden Opener, der sich auf den durch Aristoteles geprägten Begriff der Urmaterie und in weiterer Folge auf die Theorie des Urknalls bezieht, gleich in die Vollen. Ein nervöses Gitarrenriff brennt sich angepeitscht von der Bassdrum durch die Lautsprechermembranen, Morean leistet heiser seinen Beitrag, die Bremsschläuche werden durchgeschnitten und der Ritt in schwarze Klanglandschaften darf beginnen. Die Bayern begnügen sich jedoch nicht damit stur auf den Hörer einzuprügeln, sondern setzen ihm eine ausgefeilte Komposition vor, die mit Rhythmuswechseln und unerwarteten Hintertüren das Zeug zum Klassiker hat. Wesentlich beschaulicher, aber nicht weniger packend geht es dann mit „As the world keels over“ weiter, das eine Fusion mit schleppendem Doom Marke Candlemass und der melancholischen Gothik-Atmosphäre von Paradise Lost eingeht um eine gelungene Überleitung zu „Osiris“ zu bilden, welches stärker den schwarzen Wurzeln der Truppe huldigt, was im ungestümen Ritt „Silence“, der alles andere als leise ist, in grooviger Raffinesse fortgesetzt wird.

„Evenfall“ marschiert anfänglich durch düstere Hallen voll pechschwarzen Dooms, stellt mit dem versöhnlichen Part ab der Hälfte des Songs für Black Metal-Puristen aber wahrscheinlich einen Tritt in die Eier dar, obwohl diese Licht/Schatten-Konstruktion eine nahezu magische Anziehungskraft besitzt, die vom Veränderungswillen der Bayern zeugt. Voll ins Schwarze (also quasi als Entschädigung für den hauchzarten Anflug von weicheren Strukturen im vorherigen Stück) treffen Dark Fortress dafür mit „Redivider“, einer bitterbösen Nummer, die neben stapfendem Beginn, stetig an Fahrt aufnehmender Durchschlagskraft und perfekter Vergänglichkeitsstimmung alles besitzt, was Fans von einem durchdachten, fordernden und niemals langweilig werdenden Übertrack erwarten können. Die Vorschlaghammer-Gebärden des sukzessiven „Satan bled“ gehen im Schatten dessen fast ein bisschen unter, dafür versucht „Hirudineans“ erst gar nicht an etwaige Großtaten anzuknüpfen und kocht mit dem geradlinigen Kopfnicker ein ganz anderes Süppchen.

Ab diesem Punkt scheinen die Bayern dann alles gesagt zu haben, was sie mit „Ylem“ zum Ausdruck bringen wollten, denn „Nemesis“ wird erst durch die ab der Hälfte einsetzenden Wirbel-Pickings mehr Tragfläche verliehen und daher eher ein Kandidat für die Skip-Taste. Glücklicherweise raffen sich Dark Fortress mit „The valley“ doch noch einmal kerzengerade auf und jagen den Hörer durch einen zwischen aufgebrachtem Flüstergeschrei und Black Metal-Screams pendelnden, undurchdringlich-schwarzen Doom-Morast, der eigentlich nicht besser und druckvoller dargeboten werden könnte und einen perfekten Abschluss für die sechste Langrille des Sechser bedeutet hätte. Leider wurde „Wraith“ nachgeschoben, das zwar erneute Parallelen zu Paradise Lost aufwirft, diese aber aufgrund des eingebauten Klargesangs evoziert, der sich überhaupt nicht mit den restlichen Kompositionen akklimatisieren will und wie ein fehlgeleiteter Blindgänger wirkt.

„Ylem“ deswegen seine Strahlkraft abzusprechen wäre allerdings vermessen, beträgt die Spielzeit abzüglich des Albumenders schließlich trotzdem 62 Minuten, die immerhin alles andere als verschwenderisch eingesetzt wurden. Der Status eines unantastbaren Meisterwerkes bleibt dem neuen Werk der Landshuter damit zwar verwehrt, auch weil vieles auf der Scheibe seinen Ursprung bereits bei anderen Bands (z.B. Celtic Frost) genommen hat und Dark Fortress diese Zutaten nur zu einem absolut stimmigen Ganzen verwoben haben, dessen nachhaltiger Einfluss auf die Szene verhältnismäßig gering bleiben wird, aber die Perfektion und Zielstrebigkeit, mit der Gründer Asvargr und seine Mannen auf „Ylem“ operieren, sucht dennoch seinesgleichen.

Anspieltipps:

  • Ylem
  • Evenfall
  • Redivider
  • The Valley
  • As The World Keels Over

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