Samavayo - One Million Things - Cover
Große Ansicht

Samavayo One Million Things


  • Label: Sector B/Rough Trade
  • Laufzeit: 54 Minuten
Artikel teilen:
5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach mehreren Jahren als Lokalhelden in kleinen, verschwitzten Clubs, vier EPs und dem Longplayer „Death.March.Melodies“ (10/2005) heißt es für das deutsche Indie-Rockgespann Samavayo: Adieu Indie! Die neueste Platte von Behrang Alavi (Gesang, Gitarre), Marco Wirth (Gitarre), Andreas (Bass) und Stephan Voland (Schlagzeug) darf sich schließlich rühmen im Vertrieb von EMI die Plattenläden zu entern und hat damit das schwere Los den neuen Partner mit angemessenen Verkaufszahlen zu beeindrucken. Die breite Mischung aus „Rock, Disco, Heavy Dub und Elektro“ genannt „Fuel“ hat laut Promowaschzettel nämlich ordentlich Potential und auch live sollen die Jungs das Publikum schon in Begeisterungsstürme versetzt haben. Gut, dass „One million things“ ausreichend Aufschluss darüber gibt, was es mit der neuen deutschen Rockhoffnung auf sich hat.

Da wäre erst einmal der Opener „Go“, der Alavis Stimmumfang irgendwo zwischen weinerlicher Pressstimme und grantiger Rockröhre ansiedeln lässt und mit alternativ rockendem Unterbau schön in den Hintern zu treten vermag. Anschließend ist es aber schon um die vier Jungs geschehen und „Wait“ mit „Reim dich oder ich freß dich“-Text, „Can´t break me“ als mäßiger Franz Ferdinand-Verschnitt und „Teheran girl“, das mit arabisch anmutender Instrumentierung die iranische Abstammung von Behrang in den Vordergrund kehren soll und ungeachtet dessen nicht auf den Punkt kommen will, siedeln sich im guten Proberaum-Durchschnitt an, weil den Songs eine spannende Dramaturgie fehlt, die den Vorstoß in höhere musikalische Sphären gewährleisten würde.

Erst „Greatest fan“ zeigt, wozu Samavayo fähig sind und der zwischen laut und leise changierende Track fasziniert mit unruhigen Synthie-Loops und aufgekratztem Chorus, was „Rollin´“ in vereinfachter Form zu wiederholen versucht, allerdings versteckt sich hinter der Sex, Drugs und Rock´n´Roll-Attitüde des Songs („Get down with heroin / Come clean with gasoline / I keep on rollin´“) lediglich eine schlichte Partynummer, die den zähflüssigen Strom von „Illusions“ abschwächen soll, bis „Valentine“ den letzten positiven Input gibt und frappant an Dredg zu „Catch without arms“-Zeiten erinnert. Unnötig zappelig und unbeholfen geht es mit „Control“ weiter, „Monster“ versucht sich als Post Grunge-Ungetüm, dessen altbackenen Zähne schon vor Jahren gezogen wurden, der Titeltrack mäandert als Endlosschleife vor sich hin und „Shallow man“, als auch „Red end“ sind nett, aber durch den Gebrauch alter Rockstandards Schnee von gestern. Demzufolge ist es schwer vorstellbar, dass „One million things“ ausreichend Anhänger auftreiben wird um für eine längere Zeit an der Oberfläche zu schwimmen, obwohl einige gute Ansätze vorhanden sind, denn blöderweise gibt es Bands von diesem Format schon zuhauf.

Anspieltipps:

  • Go
  • Valentine
  • Greatest Fan

Neue Kritiken im Genre „Rock“
5.5/10

Songs Of Experience
  • 2017    
Diskutiere über „Samavayo“
comments powered by Disqus