Tingvall Trio - Vattensaga - Cover
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Tingvall Trio Vattensaga


  • Label: Skip Records
  • Laufzeit: 54 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

E.S.T. ist tot – es lebe das Tingvall Trio!

Faszinierend. Wie kommt es, dass Schweden so viele talentierte Pianisten hervorbringt? Haben die dort eine Talentschmiede oder ein Jazzförderungsprogramm? Vielleicht wollen auch viele junge Pianisten das schaffen, was Esbjörn Svensson geschafft hat, Jazz jungen Menschen und Jazzunerfahrenen näher zu bringen. All diese Pianisten haben das schwere Los mit dieser verstorbenen Ikone verglichen zu werden, auch Martin Tingvall. Die allgemeinere Frage ist daher: Hat dieses schwedisch/kubanisch/deutsche Trio das Zeug dazu eine wichtige Position in der Sparte des eingängigen akustischen Jazz einzunehmen? Die kurze Antwort lautet: Ja!

In der längeren Version sollte erörtert werden, dass „Vattensaga“ ein Konzeptalbum über das Element Wasser ist. Das legt nicht nur das Cover nahe, sondern auch der Titel, der übersetzt Wassersage bedeutet. Martin Tingvall erschafft so geniale Melodien auf dem Klavier, dass ein Versuch sich dieser Musik zu entziehen, ein weghören, unmöglich und zwecklos ist. Egal was gerade nebenbei unternommen wird, diese Jazztöne fordern zum gebannten Zuhören auf, also am besten hinsetzen, Augen zu, entspannen und ins Träumen geraten. Jede Komposition strotzt vor schönen Melodien, die auch mal dezenter ausfallen oder von Improvisationen kurzzeitig in den Hintergrund gerückt werden. Dieses Trio ist geradezu harmoniesüchtig und es verliert nie den roten Faden trotz vieler Verschiebungen des Schwerpunktes zwischen rockigen und poppigen Elementen in ihrem Jazzstil.

Welle ein und Welle aus leiten das Album ein bzw. aus. Es ist ein ständiges kommen und gehen der Wasserberge, mal Flut, mal Ebbe, sie umspülen den Sand, tragen ihn davon und lassen ihn an anderer Stelle wieder ruhen. Wir lassen uns einfach von der ruhigen See treiben („Tveklost“, „Flaskpost“), können aber auch in einen Sturm geraten („Suite Kuhla“) oder von Strömungen mitgerissen werden („Hajskraj“, „Rödbla“). Wir erforschen die Geheimnisse der Tiefen („Valsang“, „Makuschla“), erleben auch interessante Abenteuer auf dem Wasser („Vattensaga“, „Vagor“). Das ist das schöne am Element Wasser, es kann so vielfältig sein, sowohl in der Zusammensetzung, den gelösten und ungelösten Inhaltsstoffen, als auch der Auftrittsform, sei es die Strömungsart oder Geschwindigkeit. Einiges ist sofort ersichtlich, anderes muss genauer untersucht werden.

Tingvall ist der Leitwolf und Kapitän des Geschehens, seine beiden Weggefährten brauchen sich aber nicht zu verstecken, denn sie sind ebenso unentbehrlich, auch sie sorgen für unvergessliche Akzente. Der Walgesang in „Valsang“, den Omar Rodriguez Calvo aus seinem Bass erschwingen lässt, ist solch ein Akzent, einfach atemberaubend. Jürgen Spiegel wiederum weiß genau wann er lauter, rockiger und wann vorsichtiger, jazziger sein Schlagzeug bearbeiten muss. Von der ersten bis zur letzten Note perfekt umgesetzte Musik aus Komposition und Improvisation. Ein wahres Lauschvergnügen. E.S.T. ist tot – es lebe das Tingvall Trio!

Anspieltipps:

  • Valsang
  • Hajskraj
  • Rödbla
  • Makuschla
  • Flaskpost

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