Lostprophets - The Betrayed - Cover
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Lostprophets The Betrayed


  • Label: J Records/Sony Music
  • Laufzeit: 47 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

„The Betrayed“ ist ein solides Comeback – nicht mehr und nicht weniger.

Mit „Liberation Transmission“ (07/2006) legte die walisische Rockband Lostprophets ihr erstes Nummer-Eins-Album vor und kämpfte sich im damals noch stark frequentierten Nu-Rock-Markt in die vordersten Ränge der Publikumsgunst. Fast 3½ Jahre sind seitdem vergangen. Eine viel zu lange Zeit im schnelllebigen Musikgeschäft, in der Ian Watkins (Gesang), Lee Gaze (Gitarre), Mike Lewis (Gitarre), Jamie Oliver (Keyboards), Stuart Richardson (Bass) sowie Neu-Drummer Luke Johnson ca. 750.000 Dollar ihres Produktionsbudgets verballerten sowie mit John Feldmann (The Used, Good Charlotte, Story Of The Year) und Bob Rock (Metallica, The Offspring, Bon Jovi) zwei Top-Produzenten verbrauchten, die ihren Job aus Sicht der Band nicht zufrieden stellend erledigten, so dass sie die Aufgabe am Ende selbst in die Hand nahm.

Mit „The Betrayed“ steht nun also das vierte Studioalbum des Sextetts in den Regalen und wir fragen uns etwas besorgt, ob sich überhaupt noch jemand an Nu-Rock erinnern kann?! Denn dass sich die Waliser auch heuer noch gerne mit düsterer Grundstimmung und tiefer gestimmten Gitarren umgeben, zeigt schon der getragene Opener mit dem Bandwurmtitel „If it wasn’t for hate, we’d be dead by now“. Doch schon der zweite Song, „Dstryr/Dstryr“, überrascht mit treibenden Funk-Bässen, schneidigen Gitarren á la Rage Against The Machine (!) und einem Text, in dem kein Blatt vor den Mund genommen wird. Holla die Waldfee! Das klingt zwar verdammt abgekupfert, aber lieber gut geklaut, als schlecht selbst erfunden.

Mit ähnlicher Aggressivität schlägt auch „It’s not the end of the world, but I can see it from here“ zu, während „Where we belong” als breitwandige Stadionrockhymne mit leichten U2-Einflüssen – nur härter – daherkommt. Mit „Next Stop, ATRO city“ folgt ein ungezügelter Wutausbruch, der mit Riffsalven nur so um sich schmeißt. Danach verflacht die Herrlichkeit und die Songs werden beliebiger („A better nothing“, „Streets of nowhere“, „Darkest blue“). Dabei werden z.B. an und für sich gute Tracks wie „Dirty little heart“ mit Outros in die Länge gezogen, die nicht wirklich Sinn machen. Erst mit dem finalen „The light that shines twice as bright…” begibt sich die Band wieder auf das Niveau der ersten Albumhälfte. Der Rausschmeißer ist ein düsterer Brocken im Spannungsfeld zwischen Depeche Mode und Nine Inch Nails. Mehr Songs dieser Güte oder wie „Dstryr/Dstryr“ hätten dem Album gut getan. So ist „The Betrayed“ lediglich ein solides Comeback – nicht mehr und nicht weniger.

Anspieltipps:

  • Dstryr/Dstryr
  • Dirty little heart
  • Where we belong
  • Next Stop, ATRO city
  • The light that shines twice as bright…

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