Nick Cave & Warren Ellis - Soundtrack: The Road - Cover
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Nick Cave & Warren Ellis Soundtrack: The Road


  • Label: Mute/EMI
  • Laufzeit: 47 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

So kongenial die beiden Musiker die Geschichte vertonen, ohne das Buch oder den Film zu kennen, funktioniert der Soundtrack als eigene CD nur begrenzt.

Nach „The proposition“ und „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ ist „The Road“ der dritte Soundtrack, den die Bad-Seeds-Mitglieder Nick Cave und Warren Ellis gemeinsam eingespielt haben. Zudem ist Nick Cave Lyriker, Drehbuchautor und Schriftsteller. Also verwundert es nicht, dass er auch mit dem Soundtrack zu „The Road“ (Regie John Hillcoat) betraut wurde. Hierbei handelt es sich um die Verfilmung des gleichnamigen Pulitzer-Preis gekrönten Romans von Cormac MacCarthy („No country for old men“).

Nach einer nicht näher benannten Katastrophe ziehen ein Vater und sein Sohn quer durch das postapokalyptische Amerika. Ihr einziges Hab und Gut sind ein Einkaufswagen mit ein paar Lebensmitteln und eine Pistole mit zwei Patronen. Auf ihrem Zug durch das Land treffen die beiden ab und zu auf Überlebende, die jedoch vom Vater immer als die „Bösen“ oder „Kannibalen“ dargestellt werden. Zudem wird in Rückblicken die Zeit zwischen der Katastrophe und dem Beginn des Marsches von Vater und Sohn gezeigt, bei dem die Mutter eine wichtige Rolle spielt.

Film und Buch sind sehr ruhig, düster und suggerieren eine depressive Stimmung. In eine ähnliche Stimmungskerbe schlagen Nick Cave und Warren Ellis, jedoch scheint man immer einen Silberstreif am Horizont zu erkennen. Man stelle sich den spärlich instrumentierten ersten Titel „Home“ einmal nur mit Klavier (Moll-Akkorde) und je einem Holz- und Blechbläser vor. Der Einsatz des Xylophons gibt dem Opener jedoch eine positive Note. Das titelgebende Klavierstück „The Road“ behält die Grundmelodie des Openers bei. Bei dem langsamen, klassisch anmutenden Track wird auf diese Weise eine melancholische Stimmung, die durch die brillant eingesetzte erste Geige untermauert wird, erzeugt.

Ein Ohrwurm ist definitiv „The cannibals“, das eine der ersten Schlüsselstellen des Films untermalt. Dieser Ohrenschmerzen fördernde Track spielt so sehr mit Dissonanzen, dass man sich unweigerlich an die Zeiten Nick Caves mit The Birthday Party in den späten 70ern erinnert fühlt. Selbiges gilt dann im späteren Verlauf auch für „The Cellar“, an der wohl wichtigsten Stelle in McCarthys Werk, die der Geschichte eine wichtige religiöse Komponente gibt, die dem Hörer auf andere Art und Weise wohl noch länger in Erinnerung bleiben wird.

„The mother“ treibt Kennern von Buch und Film Tränen in den Augen. Selten hat man so eine tragische Geschichte von Cello, Bass und Geige untermalt gesehen, ohne dabei in Pathos zu verfallen. Merkwürdig mag dem Hörer der letzte Titel „The boy“ vorkommen. Von einem Geräusch, das undefinierbar im Hintergrund surrt und mal an Grillengezirpe, dann an leises Rascheln erinnert, schweben Holzbläser vor sich hin. Klingt der Song beim ersten Hören recht banal, entfaltet er seine Qualität erst nach erneutem Hören.

So kongenial die beiden Musiker die Geschichte vertonen, ohne das Buch oder den Film zu kennen, funktioniert der Soundtrack als eigene CD nur begrenzt. Das soll die hohe Qualität des Scores nicht schmälern, doch ob die Komplexität ohne Kenntnis des Buches bzw. Filmes fassbar ist, scheint fraglich. So gibt es im Gegensatz zu den meisten Soundtracks z.B. kein Leitthema, vielmehr sind Geige und die Holzbläser die leitenden Elemente. Eine interessante Idee, deren Ursprung vor allem in den berühmten Soundtracks von Ennio Morricone liegt.

Anspieltipps:

  • The road
  • The mother
  • The cellar

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