Pendulum - Live At Brixton Academy - Cover
Große Ansicht

Pendulum Live At Brixton Academy


  • Label: Warner Bros.
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Pendulum legten mit ihrem zweiten Album „In silico“ (11/2008) einen äußerst zwiespältigen Nachfolger zum großartigen Debüt „Hold your colour“ (07/2005) vor und spalteten Fans und Kritiker mit einer 180-Graddrehung weg vom Drum&Bass mit gelegentlichen Genreüberschneidungen hin zu einer elektronischen Stilmixtur aus fetten Basslines, Rockgitarren, ein bisschen Größenwahn der Marke The Prodigy und stärker am Pop orientierten Strukturen. Viele Anhänger der ersten Stunde wandten sich infolgedessen ab und andere, die bislang nichts von Rob Swire (Gesang, Sythesizer), Peredur Ap Gwynedd (Gitarre), Gareth McGrillen (Bass, DJ), Paul Kodish (Schlagzeug) und Ben Mount (MC) gehört hatten, fanden in Pendulum ein tanzbares Schwergewicht, dessen brachiale Beats die Anlage im Wohnzimmer endlich wieder zum Beben bringen konnte.

Etwa ein Jahr später hat es den Anschein die Australier wollen mit einem Livemitschnitt aus der ausverkauften Londoner Brixton Academy (die Kapazität beträgt nicht ganz 5000 Menschen) jene zurück ins Boot holen, die die Flucht nach vorne angetreten haben und präsentieren mit dem CD/DVD-Paket „Live at Brixton academy“ eine wuchtige Aufzeichnung, die gut und gerne als Best Of-Zusammenstellung herhalten kann, welche bebildern soll, was den Act einst groß gemacht hat. Die Gewichtung der Trackliste fällt zwar stärker zugunsten „Hold your colour“ aus und einige bekannte Singles oder B-Seiten, die es noch nicht auf ein reguläres Album geschafft haben, werden außen vor gelassen, aber um einen ungefähren Eindruck einer Pendulum-Liveshow zu bekommen, reicht der 1 ½ stündige Bass-Parcour mit massig Synthie-Einsatz, Breaks und MC-Gekrächze allemal. Das Gefühl inmitten von tausend Menschen die Sau raus zu lassen, während „Fasten your seatbelts“, „Another planet“ oder „Voodoo people“ im Pendulum Remix über einen hereinbricht, kann allerdings weder die CD noch die DVD audiovisuell ohne Abstriche nachahmen, aber sie stellt sich ausgesprochen geschickt an, wenn es darum geht, die Emotionen einzufangen.

Schnelle Schnitte, gute Einbindung des Publikums und ein ordentlicher Sound (wahlweise in LPCM Stereo- oder Dolby Digital 5.1 Surround-Abmischung) kratzen die Tapeten von den Wänden und lassen einen auch zu Hause wild im Raum umherhüpfen, wenn es den Australiern darum geht der Londoner Menge einzuheizen. Erstaunlicherweise funktionieren Tracks wie die auf dem Album weniger überzeugenden „Propane nightmares“ oder „Different“ live ausgesprochen gut und machen ordentlich Laune, wohingegen gerade die Klassiker vor vollem Haus schwächeln und vor dem Fernseher nicht ganz dieselbe Zerstörungskraft aufbringen können wie in ihrer jeweiligen Studioversion und selbst das „Master of puppets“-Cover von Metallica ist aufgrund seiner Kürze mehr ein Beweis für den Willen die verschiedenen Genres zu verbinden, denn ein weiterer ausschlaggebender bis einzigartiger Grund um sich das Paket zuzulegen.

Die Extras auf der DVD („Fan tracks“ zeigt sechs Songs aus der Sicht der Fans im Publikum, „Fan Vlog“ ist ein mehr oder weniger spaßiges Interview von Fans über Fans, die vor dem eigentlichen Gig über Pendulum und etliches anderes Zeug quatschen, „Virals“ zeigt mit kurzen Promotrailern Eindrücke vor und während des Konzerts und der Backstage-Einblick „Soundcheck“ und eine „Photo Slideshow“ rundet die Bonussektion standesgemäß ab) zeichnen sich vor allem durch die Nähe zur großen Fan-Community der Truppe aus, ihnen haftet aber mitunter der bittere Nachgeschmack von Einfallslosigkeit und Selbstbeweihräucherung an. Alles in allem ist „Live at Brixton academy“ also ein CD/DVD-Paket mit viel Licht und Schatten, das elektronisch interessierte Bassjunkies aber auf jeden Fall antesten sollten.

Anspieltipps:

  • Slam
  • Another Planet
  • Hold Your Colour
  • Propane Nightmares

Neue Kritiken im Genre „Electro“
7.5/10

Beaucoup Fish (Deluxe Edition)
  • 2017    
5/10

Spectra
  • 2017    
Diskutiere über „Pendulum“
comments powered by Disqus