Blockhead - The Music Scene - Cover
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Blockhead The Music Scene


  • Label: Ninja Tune/Rough Trade
  • Laufzeit: 64 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Der New Yorker HipHop-Produzent Tony Simon präsentiert mit „The Music Scene“ sein drittes Album unter dem Namen Blockhead und gibt sich auf eine ungewöhnliche Instrumental-Reise mit gelegentlichen Samples auf musikalischem Terrain wie HipHop, Weltmusik, Ambient, Jazz und Art-Pop. So vielseitig das auch ist, so geschlossen und umschließend wirkt der Longplayer, der noch dazu mit einem detailreichen, entdeckungswürdigen Comic-Artwork gesegnet ist. Blockheads Selbstverständnis ist es, „Geschichten ohne Wörter zu erzählen“, wobei es ihm zu gute kommt, vom ursprünglichen HipHop-Ausgangspunkt abzurücken und nicht einfach die Arrangements auf einen alles führenden Beat zu bauen. Viel mehr fließt zusammen, was nur scheinbar nicht zusammen gehört.

Orientalisches Flair in Bläsern und Percussions vereint sich beim Auftakt „It´s Raining Clouds” mit zurückgelehnten HipHop-Beats, die zusammen mit den Sprach-Samples dringlichen Rap offerieren, aber gleichzeitig so lässig im Weltmusik-Mantel daherkommen, dass auch der organische Breakbeat zum Ende des Openers keine Verwunderung mehr nach sich zieht, sondern der Hörer bereits jetzt Feuer und Flamme ist, wenn man denn ohnehin schon Ninja Tune als experimentelles HipHop-Label schätzt oder schätzen lernen möchte. Wild gestikulierende Streicher, Flöten und vage vermutet auch Bläser sowie rumpelnde Drums ebnen dem quirligen „Only Sequences Change” einen Weg, der so charmant abgedreht wie LoFi ist und dabei mindestens Stoff für ein ganzes Album in Form eines einzigen Tracks verabreicht.

Immer wieder brechen Sprachsamples mit dem wohligen, cineastischen Klangerlebnis zwischen HipHop-Grundierung, jazziger Rhythmus-Abstraktion, Folklore-Stippvisite aus aller Welt und Klangwelten, die auch Röyksopp auf „Melody A.M.” kaum besser hinbekommen haben, so dass zum Beispiel „The Daily Routine” doch noch zur Gesellschaftskritik wird. Auf das Klavier-Intro folgen bedrohlich düstere Bass-Einsätze, die an Dubstep erinnern, vom sakralen Chor-Intermezzo und fernöstlichem Flötenspiel eingebettet werden und schließlich vom steigenden Tempo begünstigt Samples aus (familiären?) Streit-Szenen als bitteren Kontrapunkt setzen, um mit tragischen Streichern das Ende dieser emotionalen Achterbahnfahrt zu untermauern. Wohl DER Fixpunkt von „The Music Scene”, aber eher eine Ausnahme, was die Stimmung angeht. Denn diese suhlt sich ansonsten in freudestrahlenden Regionen, die so wunderbar diesem allumfassenden, langfristig erfrischenden Genre-Verdreher von Blockhead stehen.

Anspieltipps:

  • It´s Raining Clouds
  • Only Sequences Change
  • Attack The Doctor
  • The Daily Routine
  • Pity Party

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