Causa Sui - Summer Sessions Vol. 1-3 - Cover
Große Ansicht

Causa Sui Summer Sessions Vol. 1-3


  • Label: Elektrohasch Records
  • Laufzeit: 127 Minuten
Artikel teilen:
6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist was faul im Staate Dänemark. Oder wie Helge Schneider es sympathisch ausdrücken würde: „Wat is’ dat denn?“ Verwirrung, Verschwörung, Vergessenheit: Das sind die drei Zauberwörter für das epische Dreierpack der skandinavischen (um genauer zu sein dänischen) Band Causa Sui. So kryptisch der Name, so sind es auch ihre drei Summer Sessions, welche aus dem Zeitraum August ’08 bis Juni ’09 datieren. Wenn die erste Scheibe im Vinyl-Stil schon mit gerade mal vier Stücken daherkommt, mag man schnell an eine EP-Sammlung denken, aber weit gefehlt! Diese mageren vier Stücke bringen es auf fette 47 Minuten. Dieses Quantitätsverhältnis lässt eigentlich nur noch zwei Gattungen des Rocks zu (in dieser Sparte darf man sich dann doch wissen): Progressive oder Improvisation. Für manche gibt es da ja keinen Unterschied und gerade im Falle von Jonas Munk (Gitarre, Gesang, Keyboard, Gesang), Jess Kahr (Bass) und Jakob Skött (Schlagzeug, Percussion) will man sich trotz der lieben Eingängigkeit nicht ganz festlegen.

Dass diese Platten sich bei ihrer Erstversteigerung blitzschnell ausverkauft sahen, klingt nur aufs erste Hören nach Sensation, denn wer gerademal 500 Platten stanzen lässt, der bringt vieles ja schon unter den reservierten Freundeskreis. Da ist es (wie immer) viel sagender, die Musik selbst zu hören. Alleine der Eröffnungsbrocken „Visions Of Summer“ mit seinen knapp 25 Minuten stellt so manches Mars Volta- oder Porcupine Tree-Stück in den genehmen Schatten. Der Unterschied hierbei ist mehr, dass nicht auf allzu moderne oder „spacige“ Musik gesetzt wird, sondern auf einen Retro-Psychedelic-Touch, der sich gnadenlos durch diese gefühlte halbe Stunde arbeitet. Die Frage, ob das nun genial oder fatal ist, lässt sich schlichtweg nicht beantworten. Das beste Beispiel, als Anhaltspunkt für den Hörer, ist ein Vergleich mit The Mars Voltas „Frances The Mute“. Wer „Cassandra Gemini“ gerne und am Stück hören konnte und überhaupt die vielen Pausen und das sphärische Geklimper mochte, wird sich mit „Visions Of Summer“ gut und schnell anfreunden und nicht wenige könnten sich in diese dänische Combo gleich verlieben.

Da klingt „Red Sun In June“ als straighterer Retro-Rock schon langweilig, bietet in Wirklichkeit jedoch nicht weniger als der Opener. Spätestens nach der Hälfte des Songs darf hier in (instrumentaler) Weise ganz nach Wolfmother gerockt werden. Anstrengend wird es dann wieder mit „Portixeddu“, denn der Titel hält, was er verspricht. Ein weiteres Mars-Volta-Gedächtnis-Stück, das kracht und trötet und nicht wenige aus dem Zimmer jagen wird. Das Southern-Flair, welches ebenfalls stark an die Texas-Kombo erinnert verschwindet jedoch zu schnell und so fehlt die melodische Substanz. Da dann lieber einen röhrenden Kracher, wie „Soledad“, der wieder mehr den alten Rockgrößen frönt. Ein insgesamt satter Einstieg mit Höhen und Tiefen, der entweder Lust auf mehr macht oder längst abgeschreckt hat: ‚Hate it or love it’ ist die Devise!

Auf der zweiten Volume wird dann in geradezu dreister Weise Mars Volta kopiert, jedoch mit einem Garagencharme und so viel mehr Retro, dass es wieder etwas eigenes ist. Jedoch kann das Gesamtwerk auch als einzige große Ode an die Rockgrößen der psychedelischen Szene sehen. So ziellos, wie ein „The Open Road“ sich wagt, fortzubewegen, steht hier die Kunst im Vordergrund. Das erfordert Mumm, das erfordert cojones! Die Jungs aus Dansk wussten wohl allerdings, dass der finanzielle Erfolg ausbleiben wird. Aber wie gesagt: Kunst noch für die Kunst, warum nicht. Die Stärke der Band entfaltet sich jedoch am besten in den langen Stücken, wie auf der zweiten Scheibe „Tropic Of Capricorn“. Hier haben sie Zeit die Emotionen und Eindrücke zu verarbeiten und die zeit, die sie sich nehmen, ist gerechtfertigt. Nischenmusik? Na, aber hallo! Wer sich hier jedoch zu Hause fühlt, wird belohnt.

Je nachdem, wie die Kosten für das Dreierpack sind, sollte man sich überlegen, ob man sich die Platten nicht lieber einzeln, oder nur eine der drei anschafft. Denn spätestens, wenn man die dritte Platte einlegt, hören die Überraschungen auf. Da sind noch kleine Highlightmomente innerhalb der Stücke (der düstere Beginn von„Red Valley“), doch der Großteil ihres künstlerischen Potenzials wird in den richtig langen Stücken verarbeitet und am besten dargestellt. Was sind da schon die kleinen Zehnminutenbröckchen? Insgesamt sind Causa Sui ein gelungenes Hörerlebnis mit ihren Summer Sessions. Bei genauerem Hinhören bemerkt man jedoch schnell fehlende Substanz und noch einen Tick zu wenig Ideen für all die Platten. Jetzt sollte man es erst einmal ruhen lassen, sich entwickeln und dann mit neuen Ideen neu beginnen, bevor man sich in den immer gleichen Schemata verliert.

Anspieltipps:

  • Tropic Of Capricorn
  • Visions Of Summer
  • Venice By The Sea

Neue Kritiken im Genre „Stoner-Rock“
Diskutiere über „Causa Sui“
comments powered by Disqus