H.I.M. - Screamworks: Love In Theory And Practice - Cover
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H.I.M. Screamworks: Love In Theory And Practice


  • Label: Sire Records/WEA
  • Laufzeit: 47 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Seitdem unsere Lieblingsdüsterfinnen von HIM die Plattenfirma gewechselt haben, tun sie sich mit der Ausrichtung ihrer Musik etwas schwer. „Dark Light” (09/2005), das erste Album für den neuen Vertragspartner Warner Bros., war für nicht wenige HIM-Fans eine Spur zu seicht und mit seinen ausschweifenden Keyboardklängen zu kommerziell ausgelegt. Also Kommando zurück! Mit „Venus Doom” (09/2007) legten die Finnen ein ungewöhnlich kompromissloses Hardrockalbum mit extra-langen Songs vor, die Gothic,- Doom- und Metal-Elemente in sich vereinten. Das war wiederum der Plattenfirma zu extrem, die nicht sonderlich viel für das Album tat, das dann auch kommerziell scheiterte.

Mit „Screamworks: Love In Theory And Practice, Chapters 1-13“, ihrem siebten Studioalbum, wollen die Mannen um Ville Valo (33) zurück zu alten Tugenden finden und eine perfekte Mischung aus Härte, Pathos und Kommerzialität präsentieren. Dass HIM dazu problemlos in der Lage sind, haben sie in den vergangenen 14 Jahren mit konsensfähigen Werken wie „Razorblade Romance“ (01/2000) und „Deep Shadows & Brilliant Highlights“ (08/2001) bereits mehrfach gezeigt. Mit „Screamworks“ gelingt dieser Spagat zumindest teilweise recht übrzeugend.

Die 13 Songs des Albums wurden in einem Hotelzimmer im Sunset Marquis in Los Angeles zwischen August und Oktober 2009 aufgenommen und von dem Emo-Rock-Experten Matt Squire (u.a. Taking Back Sunday, The Used, All Time Low) produziert. Die Stücke stammen allesamt aus der Feder von Mastermind Ville Valo und decken thematisch den altbekannten Düster-Herzschmerz des Helsinkiers ab. In Sachen Härte haben sich HIM hörbar zurückgenommen und auf einen massentauglicheren Sound umgeschaltet. Hier und da bratzen die Gitarren zwar noch recht amtlich aus den Boxen, aber grundsätzlich regieren nun wieder eingängige Melodien und extrem poppiger Gothic-Rock („Scared to death“ oder „Heartkiller”, die erste Singleauskopplung).

Dass die abscheulichen Weichspülerkeyboards (sowie Streicher und Akustikgitarren) dabei nicht vollständig ausgedient haben, zeigen Songs wie das klebrige „Disarm me (with your loneliness)“ als Quasi-Gothic-Version von Bon Jovi, „Love, the hardest way“ als bombastischer Evanescence-Verschnitt sowie „In the arms of rain“ und „Ode to solitude“ als austauschbare Power-Balladen. Mit „Dying song”, „Shatter me with hope“ und „Acoustic funeral (for love in Limbo)“ legen die Finnen sogar ein paar Tracks vor, die – vielleicht als kleines Zugeständnis an die Plattenfirma – äußerst Amerika-tauglich klingen. Sei’s drum. So oder so steigt die Hitquote und damit auch der Konsensfaktor im Vergleich zum Vorgänger wieder an. Nicht nur aus diesem Grund erreichen HIM nur noch phasenweise die Härte von „Venus Doom”, so z.B. bei „In venere veritas“ und „Like St. Valentine“, wo man einen herzhaft schreienden Villa Valo zu Gehör bekommt. Bitte mehr davon!

Damit ist das Verhältnis zwischen Hardrock- und Popsongs einigermaßen austariert, doch der ganz große Funke springt nicht über, da es zuwenig Reibungspunkte und schon gar keine Überraschungen gibt. Dennoch zeigen HIM das, was sie groß gemacht hat und erlauben sich dabei kaum einen Ausrutscher. Wem das genügt, bekommt mit „Screamworks“ ein mehr als solides Werk im typischen HIM-Sound geboten, das auch die Plattenfirma mit drei bis vier potenziellen Hitsingles glücklich machen dürfte. Jetzt muss nur noch das Publikum mitziehen.

Anspieltipps:

  • Dying song
  • Scared to death
  • Katherine wheel
  • In venere veritas
  • Like St. Valentine
  • Disarm me (with your loneliness)

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