Silly - Alles Rot - Cover
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Silly Alles Rot


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 54 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Silly sind wieder da. Da werden sich genug Menschen freuen.

Es gibt Alben, da ist die Musik beinahe schon nebensächlich, sondern es geht viel mehr um die Geschichte der Band. Als AC/DC zurückkehrte interessierte sich doch kaum jemand für das neue Material, sondern viel mehr für die Band selbst. Metallica teilte dasselbe Schicksal. Nicht, dass die Alben nicht gut waren oder sind, aber wenn die ganz großen Namen aus der Versenkung wiederkehren, dann geht es meist um Erinnerungen an die Vergangenheit, die Entwicklung, die vielen Geschichten und am Ende stimmen die meisten Menschen miteinander ein und sagen: Schön, dass ihr wieder da seid (aber früher wart ihr besser).

Der Nachteil von Musiklegenden ist, dass man sie, lassen sie mal ein paar Jahre nichts von sich hören, an ihren alten Werken abstempelt. Etwas Neues, Großartiges zu schaffen, ist beinahe unmöglich, da völlig unfaire Vergleiche gezogen werden und nur selten auf die neue Musik eingegangen wird. Wird es so auch Silly ergehen? Die Kultband aus der DDR, die es seit 1978 gibt, die seit 1999 jedoch kein Album mehr herausgebracht hat (abgesehen von der Arbeit am Soundtrack für „Der Mond Und Andere Liebhaber“). Was erwartet uns nun also von der Gruppe, die so klare Texte wie jene von „Bataillon D’Amour“ und „Hurensöhne“ hervorgebracht haben. Gibt es immer noch Lebensgefühle und Wahrheiten über den Alltag, begleitet von zärtlicher, aber kraftvoller Rockmusik?

Auf jeden Fall sind sich Silly treu geblieben und klingen wie eine Band, die es schon länger gibt. Der Stil ihres Rocks, der viel mit Akustikgitarre funktioniert, grenzt sich eindeutig vom üblichen Rock der Radiostationen ab. Dieser übliche Klang von Deutschrock ist der Band auch nicht abhanden gekommen, so bleiben sie sich treu und werden bestimmt keinen alten Fan verschrecken. Neue Anhänger werden sich aber nicht unbedingt in jüngeren Altersklassen finden. Nicht, dass die Musik altmodisch klingt. Ein Hauch der letzten Jahre ist zwar vorhanden, aber eine Ballade der Marke „Flieger“ funktioniert mit ihrem Pathos, textlich wie auch instrumental eigentlich bei allen Romantikern.

Dann gibt es natürlich auch noch Tracks, die dann doch zu sehr abrutschen („Mein Kapitän“) und nur Altfans begeistern werden. Den Hauptteil machen aber ruhige Rocker und pathetische Balladen aus, wobei letztere es auch gerne mal übertreiben („Warum Ich“ zerfließt einfach zu sehr in sich selbst und seinen Streichern). Wer typischen Deutschrock mag, wird von dieser CD aber keinesfalls enttäuscht werden, es sei denn er steht auf härtere Gangarten. Kein einziges Lied enttäuscht oder leistet sich große Peinlichkeiten, nur sucht man vergebens, nach der ganz großen Komposition. Zumindest für das Heute wirkt diese Musik nicht hundertprozentig zeitgemäß. Die zweite Schwäche im Gegensatz zu früher ist dann noch, dass die Texte abstrakter und nicht mehr so direkt sind, wie zu Hochzeiten. So bleibt jetzt mehr Interpretationsraum, aber eigentlich waren diese eindeutigen Texte die große Stärke der Band. Nun, das ist wahrscheinlich subjektiv, aber die neuen Texte bleiben einfach zu objektiv und sorgen für fast sterile Verhältnisse. Nummern, die irgendwie nicht an sich heranlassen und nicht vollends berühren. Zumindest sind sie wieder da. Da werden sich genug Menschen freuen.

Anspieltipps:

  • Flieger
  • Ich Sag Nicht Ja
  • Höhle

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