The Unwinding Hours - The Unwinding Hours - Cover
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The Unwinding Hours The Unwinding Hours


  • Label: Chemikal Underground/Rough Trade
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
7.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Heureka! Fans springen aus der Badewanne, um sich dann wieder behutsam ins warme Wasser zu begeben und zu schwelgen. Aereogramme sind zurück! Nein, falscher Alarm. Nicht wirklich. Aber irgendwo ist es dann doch wieder die Wahrheit. Craig B und Iain Cook haben sich trotz Auflösung weiter getroffen, um Musik zu machen. Nicht aus kommerziellen Gründen – so behaupten sie – sondern aus Liebe zur Musik. Wer solche tiefgründigen Großtaten wie Aereogramme aus dem Boden gestampft hat, dem glaubt man das auch gerne. Bands wie Sigur Ros und Radiohead traut man auch nicht zu, dass sie ihre Spielereien irgendwann einmal lassen können.

Aber Überraschung. So privat wie die ursprünglichen Aufnahmen gedacht waren, klingt das Endprodukt „The Unwinding Hours“ auch. Ein künstlerisch anspruchsvoller und ruhiger Opener, der sanft die Gehörgänge streichelt, ist noch das abwechslungsreichste. Das ist nicht negativ gemeint, nur ist „Knut“ gleich das absolute Sahnehäubchen des selbst betitelten Debüts. Hier wird eine traumhafte Atmosphäre aufgebaut, die sich ihre sechs Minuten Zeit nur zu gerne nehmen darf. Kunstvoll, wenn auch überraschend ruhig.

Es erinnert wirklich an Sigur Ros oder auch Jeniferever. So herrlich beruhigend und voller Gefühl, das sich nicht der Kompatibilität hergibt, sondern auf eigene Stimmung setzt. Da überrascht ein „Tightrope“ mit seiner Radiotauglichkeit, so schön es auch ist. Das ist besonders dem weichen Gesang geschuldet, sowie der immer angenehmen Gitarre. Man will nicht von B-Seiten reden, aber dieses private und ganz ohne Druck aufgenommene Element, kommt eindrucksvoll herüber. So entstehen unkomplizierte Nummern wie „Little One“, die sich zwar weit über Lady Gaga und Co. befinden, für Mitglieder von Aerogramme jedoch richtig konventionell klingen. Ein wenig scheint der Romantiker in Craig B erwacht, wenn er sich plötzlich so viele Balladen und ruhige Rocker von der Seele spielt.

Gerne wird auch auf Streicher zurückgegriffen, sowie auf liebliche Keyboardsounds. So auch in „There Are Worse Things Than Being Alone“, welches nur am Ende in einer Krachexplosion den Hörer mitreißt. Ansonsten zieht sich diese ruhige Stimmung und Zerbrechlichkeit durch das gesamte Album. Ob das akustische „Solstice“ oder das düstere „Child“. Dynamisch ja, mitreißend auch, aber keinesfalls hektisch oder aggressiv. Ein „Peaceful Liquid Shell“ ist da die Ausnahme. Das Zentrum und die Stärke des Albums machen herrliche Soundcollagen wie „Traces“ aus. Wer sich gerne in Tönen und Noten verliert, ist hier an der richtigen Stelle und auch wenn ein paar Nummern zu konventionell erscheinen, lässt sich großteils gut genießen. Wer nebenbei noch auf ruhigen Rock steht, wird sein Glück kaum fassen können.

Ob das Niveau eines Aereogramme jemals wieder erreicht wird von Craig und Iain oder ob es überhaupt nicht nur ein Album von The Unwinding Hour gibt, wird die Zukunft zeigen. Fest steht, dass die Jungs immer noch gerne Musik machen und darin alles andere als schlecht sind. Vielleicht musste der Hunger nach Musikmachen auch nur wieder geweckt werden. Auf Tracks wie „Knut“, „Traces“ und dem kraftvollen Abschluss „The Final Hour“ lässt sich auf jeden Fall aufbauen.

Anspieltipps:

  • Knut
  • Traces
  • The Final Hour

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