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Aufgang Aufgang


  • Label: Discograph/ALIVE
  • Laufzeit: 60 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Kultur ist etwas Schönes. Nach einem harten Arbeitstag gibt man sich den Freuden der Zivilisation hin, geht ins Kino oder das Theater, lässt sich mit Musik aus der Neuzeit oder den letzten Jahrhunderten bombardieren. Die richtig hippen Leute sollen, geht es nach dem Trio von Aufklang, demnächst Crossover-Abende verbringen, um dem grauen Alltag zu entkommen. Hier wird in das Pianokonzert gegangen, um anschließend im Club darüber zu debattieren. Aufgang ist eine Mischung aus klassischem Piano und Electro, welcher zwischen Lounge und Dancefloor hin- und herschwebt. Ob diese Mischung am Ende halbgar ist oder doch für ein ganz neues Hörerlebnis in den Schuppen dieser Welt sorgen wird, muss sich jedoch noch herausstellen.

Die ersten Momente sprechen für das moderne Arthouse-Publikum. Jene, die im Kino gern schwere Kost ertragen, werden sich in der wabernden Welt von „Channel 7“ sofort heimisch fühlen. Eingängige Beats und klare Pianosounds, die eine nicht unbedingt tanzbare, aber dynamische Stimmung erzeugen. Dann immer wieder Ausraster der Pianisten, dass ein Solo die Clubszene vertreibt und den Musikern Virtuose auf die Stirn schreibt. Tatsächlich gibt es mit „Barock“ auch eine echte Ode an bloße Pianomusik. Die Tanzfläche ist hier nicht gefragt. Auch noch in eine andere Richtung gehen „Channel 8“, welches als Soundexperiment mit abschließendem HipHop-Gestampfe bezeichnet werden kann und „Prelude Du Passe“, das klar in der Electro-Lounge angesiedelt werden kann.

Und auch „Good Generation“ ist viel mehr für die gemütliche Cocktail-Lounge gedacht, als für eine tanzwütige Meute. Weiche Klavierklänge treffen auf dezente Elektronik. Nur selten will man wirklich in Bewegung kommen, wie bei „Sonar“. Ansonsten überwiegt eine überaus künstlerische Art, die tanzbare Eingängigkeit geradezu verbietet. Bei „3 Vitesses“ muss man schon über eine merkwürdige Koordinationsgabe verfügen, wenn man dazu tanzen oder wenigstens nur abgehen möchte. Zu sehr wird man von Läufen und Kakophonien verfolgt und damit bombardiert. Keine Chance! Der Titeltrack lässt dann noch mal mit „Verdunkeltes Zimmer“-Atmosphäre aufhorchen, welche für Kopfnicken und zuckende Füße sorgen könnte. Im Hintergrund ist jedoch immer wieder eine Spur von Minimal und Experimental zu hören, die klar eine gehoben Klasse ansprechen soll.

Das Prog-Werk „Soumission“ unterstreicht wiederholt den durchgedrehten Geist dieses Musikprojekts, dass da den Namen „Aufgang“ trägt. Aber wie bewertet man ein Werk, das mehr oder weniger seines gleichen sucht. Nicht von der Qualität, sondern von der Art. Muss man so ein Album bejubeln, weil es anders ist, muss man es als verkopfte Kunst abtun? Wer wird erreicht, was wird erreicht mit dieser Musik. Fragen, auf die jeder Hörer selbst eine Antwort finden muss, was zwar üblich ist, sich bei einer Gruppe wie Aufgang jedoch als komplizierter erweist.

Anspieltipps:

  • Boe Money
  • You Don’t Know
  • Heart Of Steel

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