Anna F. - ... For Real - Cover
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Anna F. ... For Real


  • Label: Moerder Music/Rough Trade
  • Laufzeit: 39 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Anna Wappel war aus der österreichischen Musikszene nicht mehr wegzudenken, da hatte sie noch nicht einmal ein Album am Start. Dem Internet sei Dank. Über eine Viertel Million Aufrufe hatte das erste musikalische Lebenszeichen der 25jährigen Steirerin innerhalb weniger Wochen und das „ohne spezielle Vorankündigungen oder Promotionaktionen“. Anna F. überzeugte durch authentischen Charme und dem Willen als ernsthafte Künstlerin akzeptiert zu werden, die lediglich „ihre Geschichten“ vortragen will, krallte sich auf diese Weise einen ihren Bekanntheitsgrad (im Alpenland) ins Unermessliche steigernden Promotiondeal mit der österreichischen Raiffeisen Bank und den begehrten Slot als einzige Vorband der aktuellen Lenny Kravitz-Tour für dessen Album „It is time for a love revolution“ (02/2008) gemeinsam mit ihrer Band The Ex-Boyfriends. Spätestens ab diesem Zeitpunkt fragte man sich selbst als weniger musikinteressiertes Individuum: Wer ist diese Anna F.?

Rein musikalisch gibt es die Antwort auf diese Frage mit einem Jahr Verspätung auch in Deutschland, denn in ihrem Heimatland ist ihr Debüt „...for real“ schon seit Februar 2010 erhältlich und konnte dort eine Gold-Auszeichnung einfahren. Der Erfolg kommt allerdings nicht von ungefähr. Mit unaufgeregter Eingängigkeit schmiegen sich die zwölf Stücke in den Gehörgang und entfachen dort ein melodiöses Feuerwerk der Stufe 9 auf der Skala für radiokompatibles Tralala. Anna F. hat auf „...for real“ nämlich nicht nur einen standesgemäßen Radio- bzw. Singlehit auf Lager, sondern gleich ein ganzes Dutzend. Dies wird erreicht durch abwechslungsreiche Instrumentierung wie Banjo („Time stands still“), Orgel („Thank god I´m a woman“), Flöte („Jimmy Page“), Trompete („Most of all“), einer allgegenwärtigen Piano- und Streichereinbindung, gepfiffenen Melodien („I don´t like you“) und der geschmackssicheren Stilmischung aus herzerwärmenden Balladen („Home“, „Feel you“), kleinen Indietracks („Another song“), düsteren („The ghost is gone“) wie melancholischen Nummern („Keep your eye on me“), jazzigen Klängen („Fly“) und Feelgoodstücken („Let loose“).

So spannend das alles auf den ersten Blick klingen mag, „...for real“ fehlt es an Ambition. Anna F. debütiert mit 40 Minuten gepflegter Hintergrundbeschallung, die während der Arbeit oder Autofahrt gemütlich nebenher laufen kann, wo sie in Erinnerung an Heather Nova, Amanda Marshall und Alanis Morisette zum Mitsummen, aber nicht aktiven Hören einlädt. Ecken und Kanten sind bei einem reinrassigen Popalbum zwar nicht immer nötig, doch hier hätten sie vermutlich wahre Wunder gewirkt und dem einen oder anderen Song das gewisse Etwas spendiert. In der vorliegenden Form ist „...for real“ schließlich nicht mehr als eine tiefe Verbeugung vor der Oberflächlichkeit und erstickt still und heimlich an seinen Vorschusslorbeeren.

Anspieltipps:

  • Most Of All
  • Time Stands Still
  • The Ghost Is Gone
  • Keep Your Eye On Me

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