Smile Empty Soul - Consciousness - Cover
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Smile Empty Soul Consciousness


  • Label: FOF Records
  • Laufzeit: 44 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Smile Empty Soul sind ziemlich genau das, was man unter einer echten Indie-Rock-Band versteht. Zwar unterscheidet sich ihre Musik erheblich von dem Stil, den man mittlerweile intuitiv mit dieser Bezeichnung assoziiert, ihre Biographie macht aber vor allem eines deutlich: Das wichtigste war für das Trio immer die künstlerische Freiheit sowie die Musik selbst. Als es nach dem selbstbetitelten Debütalbum (2003) zu Meinungsverschiedenheiten mit ihrem damaligen Label kam gaben sie dem Druck keineswegs nach – sie verzichteten auf eine Veröffentlichung des bereits fertigen Nachfolgers „Anxiety“ (2005), verließen das Label und stellten ihren Fans das Album stattdessen im Internet zur Verfügung.

Zwei Label-Wechsel später erschien im vergangenen Sommer das insgesamt vierte Studioalbum der US-Amerikaner: „Consciousness“. Nach wie vor richtet sich die CD eher an einen kleinen Kreis meist amerikanischer Hörer, die bereits von den Qualitäten der Band überzeugt waren – eine große Promotions-Kampagne blieb aus. Und auch diesmal gelang es Smile Empty Soul, deren hohen Erwartungen gerecht zu werden. Die neue Platte vereint im Grunde genommen all das, was die Kalifornier in den letzten Jahren ausgemacht hat: Mal von brachialen Riffs, mal von sanften Akkorden untermalt, prasselt innerhalb kürzester Zeit ein ganzes Meer an verschiedensten Emotionen auf den Hörer ein. Das Kunststück, sowohl in lauten und wütenden Songs als auch in gefühlvollen Balladen überzeugend und authentisch zu wirken, gelingt Frontman Sean Danielson dabei scheinbar mühelos.

An dieser Stelle liegt die Vermutung nahe, sich auf eine verhältnismäßig chaotisch zusammengestellte Compilation statt einem echten Longplayer einstellen zu müssen. Spätestens nach dem ersten kompletten Hördurchlauf steht aber fest: Ein Irrtum! Abwechslung ja – aber von Chaos keine Spur. Der Spannungsbogen verläuft von einem schwungvollen Beginn über einige ruhigere Passagen bis hin zu „Walking Away“, einem hemmungslos rockenden Highlight des Albums. Auf diesen Song folgt nun eine Zäsur: Das Instrumentalstück „Atoll“ lässt den Hörer zunächst tief Luft holen, um dann stimmig zum wunderschönen „Ban Nuys“ überzuleiten, das die zweite und deutlich nachdenklichere Hälfte der CD einleitet.

Insbesondere bei den nachfolgenden Titeln lohnt es sich definitiv, den Texten etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken, als es bei Musik dieses Genres für gewöhnlich üblich ist. Das gilt insbesondere für das abschließende „O‘ Lord“, einen sehr ruhigen und von Selbstzweifeln geprägten Song, der sehr viele individuelle Interpretationsmöglichkeiten zulässt und gleichzeitig musikalisch zu überzeugen weiß. Dabei handelt es sich um eine allgemein hervorzuhebende Stärke dieser Band, die ihren Teil dazu beiträgt, dass sich sehr viele ihrer Hörer in der Musik wiederfinden können – als direkt Betroffene oder auf einer allgemein reflektierenden bzw. gesellschaftskritischen Ebene.

Zusammengefasst ist den Kaliforniern von Smile Empty Soul mit „Consciousness“ einmal mehr ein erstklassiges und facettenreiches Album gelungen, das sich nicht zuletzt durch anspruchsvolle Texte und viel Tiefgang auszeichnet. Auch wenn der große Durchbruch insbesondere in Europa bislang ausgeblieben ist: Das Trio um Sean Danielson steht Genre-Größen wie Seether in nichts nach und liefert nicht nur auf dieser Platte beinahe ausnahmslos qualitativ hochwertige Songs – musikalisch und inhaltlich.

Anspieltipps:

  • We’re Through
  • Don’t Ever Leave
  • Walking Away
  • Ban Nuys
  • L.A. River
  • O’ Lord

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