Studnitzky - Egis - Cover
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Studnitzky Egis


  • Label: Herzog Records/EDEL
  • Laufzeit: 50 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Jazz hat eine ganz eigene Faszination. Das Gefühl, immer neues zu erfahren. Dass die Lieder immer eine neue Richtung einschlagen und doch nie ihren Ursprung verlassen. Der etwas abwechslungsreichere Pop, wenn man so mag. Meist wird auf Gesang verzichtet und den Stimmen der Instrumente der Vortritt gelassen. Diese instrumentale Erfahrung kann ganz ruhig sein, aber auch Club-Fähigkeiten entwickeln, wie in den letzten Jahren Jazzanova mehrfach unter Beweis stellten. Jazz kommt nicht aus der Mode. Ob Retro, Moderne oder Post und Pop: Jazz kennt überall sein Zuhause und ist keinesfalls ein gefallenes Genre, welches der Elterngeneration gehört und verstaubte Erinnerungen weckt.

Eben ist schon der Name Jazzanova gefallen und tatsächlich: So gerne man uns Deutschen eine gewisse Lässigkeit abspricht, so viele gute Jazzmusiker haben wir. Einer von ihnen trägt den Namen Studnitzky und gehört zur Elite des Faches, wenngleich er für die Massen unbekannter ist. Sebastian Studnitzky hat sich der Popschiene nämlich entsagt und zelebriert Jazz so, wie man ihn sich in einem gemütlichen Etablissement vorstellt. Live-Sound, sodass sich Instrumente mit Klang und Luft des Raumes mischen, unaufgeregte, aber nie langweilige Arrangements, welche stets auf ihre passende Entwicklung und nicht auf Höhepunkte abgestimmt sind und immer neue kreative Ansätze. Das ist Jazz à la Studnitzky.

Jede Art von Track hat seine Vorzüge. Da sind schnelle und abwechslungsreiche Stücke („,May“ oder das vertrackte „Egis“), die sich immer neue Facetten und Details für den Hörer ausdenken, um das Kopfkino am Laufen zu halten. Dann gibt es auch wieder herzerweichende Balladen („Reminiscing“), welche ohne großartige Entwicklung und Abwechslung über die volle Laufzeit fesseln und das Herz höher springen lassen. Auch wird es mal psychedelisch und in Sachen Live-Sound übertreiben, wenn „Moskau“ aus den Boxen quietscht, aber wo kein Wahnsinn ist, wird auch Genie meist vergebens gesucht. Der Electronika-Ausflug ist auf jeden Fall nicht geglückt, im Vergleich mit dem brillanten Rest des Albums.

Natürlich ist Studnitzky niemand, den man zwischendurch hört. „Egis“ lässt man durchlaufen und mit seiner Klangfarbe den ganzen Raum füllen, ohne dass die Musik zu aufdringlich wird. Dabei verkommt sie aber auch nicht zu Fahrstuhlmusik, sondern setzt sich unbemerkt in Ohr und Geist des Hörers fest und begleitet den Menschen in seinen Stimmungen, die sie selbst verursachen kann. Spätestens Jazz-Rock der Marke „Dizzy Days“ lässt dem Hörer keine Wahl, als sich mit dem unruhigen Kopf Sebastians auseinanderzusetzen. Wenn Kakophonien glasklare Bilder, wie Picasso erscheinen lassen, liegt es am Hörer zu entdecken und auf sich wirken zu lassen. Ob schnell, langsam, nachdenklich, verrückt, verspielt oder lieblich: Studnitzky versagt im langweilig werden und fordert uns zu einer neuen, spannenden Runde des modernen Jazz heraus.

Anspieltipps:

  • Dizzy Days
  • Reminiscing
  • Egis

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