Bibi Tanga & The Selenits - Dunya - Cover
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Bibi Tanga & The Selenits Dunya


  • Label: Rykodisc/WEA
  • Laufzeit: 53 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

„Nicht abschrecken lassen!“, muss man schon betteln. Der Name Bibi Tanga klingt nämlich nach Kindermusik mit albernen Texten und nicht nach gekonnter und relaxter R’n’B-Musik, die der Franzose anbieten möchte. Gemeinsam mit der Band The Selenites will der Bassist für angenehme Minuten voller musikalischer Ansprüche bieten, aber mit so einem Versprechen kamen schon nicht wenige. Was macht Bibi Tanga, abgesehen von seinem Namen, also zu einer Ausnahme, wenn er denn eine darstellt?

R’n’B meets Funk soll das Rezept zum Verlieben heißen und geht gleich im Opener „The Moon“ grandios unter. Eine Spoken-Words-Nummer, die die Welt nicht braucht. Keine Stimmung, die den Hörer mit auf die Reise nimmt, sondern Samples und vereinzelte Ideen, die sich nicht zusammenfügen können. Projekt schon gescheitert? Zumindest der wirklich geradezu kindische Beginn von „Red Wine“ lässt auf keine Besserung hoffen, jedoch vermag der Track durch eine schöne Streicherspur und annehmliche Strophen die Kurve zu bekommen. Meisterwerk oder geschweige denn gute Arbeit muss man das Ergebnis aber auch nicht loben.

Überhaupt scheint Tanga es als seine Hauptaufgabe zu sehen, die sehr guten Grundmelodien der Songs stumpf vor sich hin laufen zu lassen, aus Angst, dass Entwicklung schlecht sein könnte. So aber schleichen Tracks wie „Swing Swing“ und viele andere einfach vor sich hin, ohne Aufsehen zu erregen. Da ist das ein oder andere wirklich bezaubernde Violinspiel („Pasi“) verschenkt. Meistens ist es nur noch Tempo, dass den Hörer vor Langeweile feit. Paradebeispiel dafür ist der Titeltrack „Dunya“, welcher in bester Afrobeatmanier die Tanzmuskeln okkupiert. Diese Nummern, wie auch „Be Africa“ sind auf simple Tanzstruktur ausgelegt und funktionieren in diesem Rahmen. Die beruhigenden Nummern überzeugen dagegen im seltensten Falle, wie „Let Them Run“, welches auf Bässe verzichtet und der Gitarre den Vortritt lässt. Der Akustikgitarre.

Natürlich ist den Tracks eine gewisse, düstere Stimmung, die doch angenehm klingt, nicht abzusprechen. Dieser Effekt alleine macht aber noch kein Album aus. Zumindest fehlen die aufregenden Details, die aus einem einfachen Sampler ein Gourmethäppchen für die Ohren machen. Deutlich wird dies, wenn in „Bonjour Mon Ami Jean“ eine Facette die nächste Jagd und allein das Saxophon stehende und relaxte Ovationen einfordert – zu Recht, sei bemerkt.

Wen möchte Bibi mit seiner Musik ansprechen? Lounge oder Club? Ist er tiefgründig oder gerade einfach nur chic? Vielleicht weiß er selber nicht genau, wo er hingehört, was der Bonustrack „It’s The Earth That Moves“ noch mal in neuem Licht erstrahlen lässt. Bibi könnte wie Prince oder Jamiroquai sein, manchmal will er es wohl auch. Manchmal aber auch nicht. Das pfeffert der groovige Funk einem so richtig um die Ohren. Tanga entscheidet sich aber für einen kunstvolleren Weg, was in diesem Fall allerdings nicht durchweg positiv gemeint ist.

Anspieltipps:

  • Swing Swing
  • Dunya
  • Let The Run

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