Nikko Weidemann - Schöne Schmerzen - Cover
Große Ansicht

Nikko Weidemann Schöne Schmerzen


  • Label: BMG Rights/Rough Trade
  • Laufzeit: 47 Minuten
Artikel teilen:
6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn man einen Schicksalsschlag erleidet und ein Auge verliert, kann einen sicher kaum etwas trösten. Der Sänger und Musiker Nikko Weidemann, der schon dreißig Jahre im Musikbusiness tätig ist, erlebte bei den Aufnahmen zu seiner ersten Soloplatte, die erstmals in deutscher Sprache und unter seinem richtigen Namen erscheint, diese böse Aktion eines Fremden, der ihm mit einem Glas sein Auge unwiderruflich zerstörte. Zusammen mit Christian Neander, dem Gitarristen von Selig, komponierte er trotzdem nach einer Genesungspause weiter und die endgültige Fertigstellung dieser CD half ihm sicher ein wenig bei der Bewältigung dieses Erlebnisses. Es geht textlich aber weniger um dieses Ereignis, Weidemann thematisiert eher Liebes- oder Alltagsgeschichten, dabei gelingt das dem Sänger mit gelungener Formulierungskunst. „Ich seh Monster“ verspricht eine ganze Menge, denn der Sänger und Pianospieler Weidemann versucht mit sanfter Stimme und nicht nur hier dominierenden Piano den Hörer zu begeistern und schafft das auch sehr gut.

Die spielfreudige Band um Gitarrist Neander stellt auf der CD ihr Können nachhaltig unter Beweis, weil sie erdig und druckvoll agiert, wobei es genug ruhige Momente gibt. Auch „Wart auf mich“ kommt flotter und dennoch gefühlvoll aus den Boxen, da freut man sich schon auf den Rest des Longplayers. Doch im Mittelteil gibt es einige schwächere Songs, die manchmal zu einfach und einen Tick zu unauffällig klingen. Zum Ende gibt es mit dem Song „Auf den Bus“ eine musikalisch gekonnte und ironische Aufforderung an Zeitgenossen, die nie etwas schaffen und stattdessen ständig davon reden, es zu tun, sich zu ändern.

Nikko Weidemann gelingt ein rundes Album, welches viele locker leichter Songs mit melancholischen Momenten hervorbringt und irgendwo entfernt an Wolf Maahn mit reichlich Chanson- und Popmusikappeal erinnert. Vielleicht auch an den „Hund Marie“ aus Hamburg, aber treffende Vergleiche fallen schwer. Es ist ein Neuanfang für den nicht mehr ganz so jungen Weidemann, der aber überraschend jung klingt, und der durchaus die Qualitäten besitzt, sich im deutschsprachigen Popbereich durchzusetzen. Man darf auf die Zukunft gespannt sein, denn Nikko Weidemann kann definitiv überdurchschnittlich singen und komponieren.

Anspieltipps:

  • Ich seh Monster
  • Wart auf mich
  • Auf den Bus

Neue Kritiken im Genre „Indie-Pop“
5/10

Mints
  • 2017    
Diskutiere über „Nikko Weidemann“
comments powered by Disqus