Vito - Monument - Cover
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Vito Monument


  • Label: The Flower Shop Recordings
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Es gibt Alben, die lohnt es sich zu kaufen für ein einziges Lied. Dieser Ausspruch kann zwei Bedeutungen haben. Entweder ist der Rest des Albums unbrauchbar oder eine Band hat es geschafft, ein Lied zu schreiben, welches alles Andere einfach in den Schatten stellt. Bei „Reclaimed!“ handelt es sich um ein Stück letzterer Sorte. Der Opener des Debüts „Monument“ der walisischen Band Vito ist eine Hymne, eine Ode an alles Gute auf der Welt. An die Schönheit und die Möglichkeiten der instrumentalen Rockmusik. Diese Musik fühlt sich an, als würden Sonnenstrahlen die Nase kitzeln und Wind, wie auch Wasser den Körper um- und durchfluten. Sonnenlicht inklusive. Es ist ein „Ohrgasmus“, wie manch einer gerne scherzt, der da sechs Minuten lang für beruhigende Furore sorgt. Keine Orkane, wie Isis, sie immer auf die Reise schickte, sondern angenehme Sommerlüfte, die sich immer noch durch Ecken und Kanten auszeichnen, dies aber mit erholsamer Schönheit.

Auch wenn alles auf ein Instrumentalalbum hinweist, wird man gleich im zweiten Stück „beruhigt“. Aber was soll das eigentlich heißen? Wenn alle Stücke so wunderschön wie „Reclaimed!“ sind, dann bedarf es keiner Stimme. So weich die des Sängers auch tatsächlich ist. „Breaking The Fourth Wall“ ist zerbrechlich und bringt Melancholie ins Spiel, die vor lauter Glückseligkeit im Opener noch gar nicht so zu spüren war. Dass dem Gesang angepasste Songkonstrukt wirkt im Gegensatz zum Opener allerdings wie ein Korsett und so muss man der zarten Rocknummer ein wenig Zeit geben, damit sie nicht abgedroschen wirkt. Gerade das Finale verdient Anerkennung.

Die (noch größere Stärke) der Band sind jedoch ganz klar die instrumentalen Werke. „Monument“ sorgt wieder für einen Sturm, eine richtige Wall of Sound. Der Titelsong kommt jedoch auch nicht an die grandiose Eröffnung heran. Trotz allem muss man sich den Schatten beiseite denken, den „Reclaimed!“ auf das Album wirft, und den anderen Liedern eine Chance geben, die sie redlich verdient haben. Natürlich ist deshalb aber auch kein Freifahrtschein ausgestellt und ein „Monument“ oder das überraschend eingängige „You Will Have Your Time“ sind „nur“ gut. Hier fehlen die großartigen Momente, die die ersten beiden Tracks ausmachten.

Dass es natürlich auch wieder besser geht, beweist „Give Me Eighteen Inches Of Sunlight“, das mehr als kraftvoll eine malerische Szenerie vor die Augen und Ohren des Hörers zaubert. Anfangs mit unglaublicher Ruhe und anschließend mit ehrlicher Härte, die Dank des Details nicht langweilig wird. So kann Post-Rock funktionieren. Immer wenn man dann denkt, dass diese Klangwände auf einen nieder brechen, kommt ein weiterer Zuckergusssong, wie es „Modern Cult Of Preservation“ ist. Glockenspiel und Flügel satt. Auch hier zieht sich der Track wieder ein wenig und lässt immer wieder Variabilität vermissen. Aber man kann nun mal nicht alles haben.

Richtig klasse wird es erst wieder, wenn „I Will Do What I Must“, die Strukturen des Albums simpel umdreht. Anstatt den Song behutsam und progressiv zu gestalten, ist degressiv hier das Zauberwort. Es geht gleich gewaltig los, um irgendwann einfach in sich zusammenzufallen und ganz leise zu werden. So ist der zweite Teil des Liedes wie ein langes, schönes Ausklingen, des eben erfahrenen Unwetters. Passend zu dieser Interpretation bringt „The Setting Sun“ im aufgeklärten Abendhimmel den Hörer sicher und harmlos zurück in die Wirklichkeit. Zwar ist der Track an und für sich nur ein langes Outro, welches anstatt durch guten Aufbau, durch unendliche Zärtlichkeit überzeugt, aber das ist ja auch was. Besonders die letzten Minuten sind monotoner Zuckerguss, welchem man böse sein möchte, jedoch nicht kann. So endet ein überraschend niedlicher Post-Rock-Ausflug, den so vorher wohl niemand erwartet hätte. Aber ist das nicht gerade das schöne an Musik? Es warten immer neue Überraschungen.

Anspieltipps:

  • Reclaimed!
  • I Will Do What I Must
  • Give Me Eighteen Inches Of Daylight

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