Black Rebel Motorcycle Club - Beat The Devil´s Tattoo - Cover
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Black Rebel Motorcycle Club Beat The Devil´s Tattoo


  • Label: Cooperative/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 65 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Die stilsichere Konstante im bluesinfizierten Alternative-Rock ist zurück. Wobei ein wichtiges Element neu am Black Rebel Motorcycle Club ist: Raveonettes-Tour-Drummer Leah Shapiro ersetzt nun dauerhaft den notorisch unzuverlässigen Nick Jago, der jetzt doch lieber wieder nur Eigenes zustande bringen will.

Ein halbes Jahr hat man sich zu dritt in einem Philadelphier Kellerstudio Zeit genommen die Tour-Chemie (Shapiro tourt seit Jagos letztem Ausstieg 2008 mit Peter Hayes und Robert Levon Been) zu intensivieren. In demselben Studio in dem auch der Gospel-Blues-Ausflug „Howl“ entstand, ist dabei das erste Querschnittsalbum der San Fransiscoer geboren. Ein Brückenalbum das manifestiert was gewesen ist, einzelne Phasen zusammenführt und veranschaulicht wie konstant gut der Club seit seinem Debüt 2001 zwischen Gospel, Blues, Hard Rock und Psychedelia hin und her grooved. Eine Werksschau, die freilich Band-Experten wenig Neues liefert und Langweiligkeitsverdacht nährt, entschlackt und vorurteilsfrei betrachtet aber schlicht hochwertigen Rock bietet.

Einstieg und Ende sind dabei die Prunkstücke. Mit dem Titeltrack, „Conscience Killer“ und „Bad Blood“ wabern wir erst durch akustische, westerngitarrenbesaitete „Howl“-Gefilde, anschließend treibenden Heavy Blues Rock und schließlich stampfender, hypnotisierender und typischer Club-Hymnik. Hayes und Been machen somit sofort klar, dass Facettenschau die Klammer um „Beat The Devil’s Tattoo“ ist. Das Kredenzen aus Teilen des übermächtigen Debüts, „Take Them On, On Your Own“, „Howl“ und „Baby 81“ sei dabei durchaus mal erlaubt und nachvollziehbar, bei einer Band die derart viel tourt wie BRMC. Unaufgeregt gestaltet sich die Albummitte, bevor die Fuzz-Hypnose ab dem tollen „River Styx“ wieder vollends greift. „Aya“ und „Shadow’s Keeper“ machen selig diffus, „Long Way Down“ verabschiedet mit wild-west Piano-Intonierung und „Half-State“ ist 10-minütiges Rauschmittel für den der nicht lassen kann von der Droge Rock.

Der Stil des Club, die moderesistente äußerliche Inszenierung von Hayes und Been, der Bandname der Motorrad-Gang aus Marlon Brando’s halbstarken Fünfziger-Klassiker „The Wild One“ entnommen, die lyrischen Weisheiten des einsamen Onkels namens Blues, das alles macht den Club im 21. Jahrhundert für viele zum Spalter-Thema. Klischee-Musiker die zu Hause gänzlich anders dahocken, glauben beständig alle paar Jahre Oberjournalistenschlaumeier diagnostizieren zu können. Dabei ist dieser Stil für Hayes und Been, der nebenbei bemerkt harmonischsten Banddoppelspitze ohne Oasis-haftem Gezänk unserer Tage, 5 Alben, eine Dekade und unendlich viele Shows alt. Die Sache mit dem Stil kann man entweder oder man kann sie nicht. Wie der Promo-Text unterweist, ist beispielsweise der Albumtitel nicht sau dämlich, sondern eine uralte amerikanische Redewendung, die Edgar Allen Poe zu etablieren half und die den Trommelschlag meint, der ausgerückten Soldaten bei Dämmerung zur Rückkehr ins Camp verhelfen soll. Orientierung in der Kälte der Nacht. Und jetzt stelle man sich kurz vor Hot Chip würden Poe zitieren und in ihre Musik einbinden. Nee, nee: Hayes und Been, auch wenn sie „nur“ eine zusammenfassende Werksschau betreiben und man auf ein nächstes und neues Kapitel durchaus gespannter sein darf, leben die Essenzen des Blues. Zwischen BRMC und cool steht ein Gleichheitszeichen.

Anspieltipps:

  • Beat The Devil’s Tattoo
  • Conscience Killer
  • Bad Blood
  • River Styx
  • Aya

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