Mortification - 20 Years In The Underground - Cover
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Mortification 20 Years In The Underground


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 147 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

„20 Years In The Underground“ – so ein Titel spricht Bände. Zwei Jahrzehnte im Geschäft, ein randvolles Jubiläumsdoppelalbum, und trotzdem wird einem großen Teil der Metalgemeinde bei dem Namen Mortification ein Fragezeichen über dem Kopf schweben. Ihre treue Anhängerschar haben Mortification eben nur in bestimmten Kreisen. Die drei Australier vereinen den Death Metal nämlich mit ihrem starken christlichen Glauben und stellten so schon Anfang der 90er eine Alternative zu den ersten großen Death Metal Bands wie Carcass dar. Titel wie „The Majestic Infiltration of Order“, wo lediglich achtmal „God rulz“ gebrüllt wird, lassen keine Fragen offen. Bis auf eine, und deren Antwort lautet: Ja, die meinen das ernst. Mortification haben schon immer ihr eigenes Ding durchgezogen, was sich auch auf deren ultimative Kompilation „20 Years In The Underground“ abfärbt.

Als Einstimmung gibt es fünf neu eingespielte Klassiker des Trios. Dabei klingen die Studioaufnahmen ungeheuer roh und so gar nicht von diesem Jahrzehnt, was man den Herren gut und gerne als Authentizität auslegen kann. Mortification beweisen, dass sie ihren Sound der alten Schule bis heute bewahrt haben. Standard-Growling, gemächliche Gitarrenteppiche, durchzogen von flotten Uptempo-Einlagen. Klassisch, aber doch unberechenbar, so muss man die Musik von Mortification wohl beschreiben.

Überraschend ist dann der weitere Verlauf der ersten CD. Anschließend an die fünf Studioaufnahmen werden dem Hörer nämlich drei Songmitschnitte des allerersten Mortification-Konzerts aufgetischt, gefolgt von zwei weiteren Mitschnitten des ersten Konzerts für die beiden später eingestiegenen Bandmitglieder Lincoln und Keith. Angesichts der schlichtweg miserablen Qualität dieser Aufnahmen von 1990 und 1995 kann man diesen Zug nur als „mutig“ bezeichnen; vor allem weil Mortification das Konzept bis zum Ende durchziehen. Denn der Rest von CD 1 besteht ebenfalls aus (qualitativ schmerzhaften) Liveaufnahmen, in diesem Fall aus den Jahren ´96, ´04 und ´07 aus Neuseeland, Mexiko und Norwegen. Dabei verbergen sich unter dem mehrfach auftauchenden Titel „Spoken Word“ Ansagen, die Sänger Steve Rowe nutzt, um christliche Botschaften zu predigen, was vom Publikum ekstatisch aufgenommen wird. Das rührt übrigens nicht nur von Rowes christlicher Erziehung her, nein, so richtig motiviert wurde der Mann erst, als er vor einiger Zeit den Krebs besiegte. Das Highlight ist jedenfalls, wie bei „Spoken Word Part II“ irgendwer im Publikum „Hail Satan!“ schreit. Haha.

Es ist nicht schwer zu erraten, was CD2 von „20 Years In The Underground“ zu bieten hat. Na? Genau, Liveaufnahmen. Bis auf die fehlende Coverversion eines Songs namens „Black Snake“, im Original von der christlichen Metalband Bloodgood, folgt die genaue Wiedergabe des Mortification Livealbums „Live Planetarium“ von 1993. Tonqualität: Befriedigend. Hintendran gehängt wurden zu guter Letzt noch vier mit akustischen Instrumenten (!) dargebotene Aufnahmen von 2001, live, natürlich. Death Metal unplugged, Mortification machen’s möglich! Das klingt erwartungsgemäß recht schräg, ist aber in erster Linie einfach eine witzige Idee.

Rückblickend lässt sich sagen, dass das bibelfeste Dreiergespann um das einzige übrige Gründungsmitglied Steve Rowe mit dem Jubiläumsfest „20 Years In The Underground“ weitgehend ziemlich frech getrickst hat. Gerademal fünf extra eingespielte Studiosongs und der Rest zugeschüttet mit zum Teil schon bekannten und zum Teil einfach schlechten Liveaufnahmen, das ist zwar durch und durch „Underground“, für eine neue Nuclear Blast Veröffentlichung aber sehr mau. Andere Bands würden solches Material maximal als Bonus am Ende einer Tracklist oder auf der Extra-CD einer Special Edition anbieten. Die Band Mortification und ihren eigenwilligen Sound mit mal mehr, mal weniger technischem Anspruch lernt der Neuling auf „20 Years In The Underground“ hinreichend kennen. Für Hardcorefans von rohem Oldschool-Klang wahrscheinlich interessant. Doch so arbeitsscheu, wie uns dieses buntgemischte, leicht chaotische, mit viel minderwertigem Füllmaterial ausgestattete Jubiläumsprodukt präsentiert wird, ziemlich vergessenswert.

Anspieltipps:

  • Hammer Of God
  • Brutal Warfare
  • Metal Blessing
  • The Majestic Infiltration Of Order

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