Kitaro - Impressions Of The West Lake - Cover
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Kitaro Impressions Of The West Lake


  • Label: Neo/Sony Music
  • Laufzeit: 74 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Kitaro. Dieser Mann steht für sphärische Musik der Extraklasse, was zahlreiche Preise beweisen. Wie groß sein Ansehen ist, wurde wohl spätestens 2008 bei den Olympischen Spielen in Beijing klar, da er als Japaner in China für die Eröffnung, sowie die Verabschiedung zuständig war. Von diesen Festivitäten darf man ja immer denken, was man will, aber wenn hier etwas im Spiel ist, dann Renommee und Prestige. Von beidem kann man sich zumeist eine große Scheibe abschneiden als World-Musiker, wenn man sich mit dem New-Age-Musiker vergleicht. Sein neuestes Werk soll eine Oper sein, welche eine musikalische Verbindung zwischen Ost und West darstellen soll.

So ist der Hörer also im Vornherein gewarnt, dass die Motive oft wieder auftauchen werden, ähnlich wie bei Film- und Spielsoundtracks oder eben Opern. Tatsächlich muss man Kitaros Musik als eine Mischung aus diesen drei Sparten sehen, denn weder kann man sich eine richtige Oper oder gar einen Film nur mit dieser Musik vorstellen. Gerade der Beginn ist viel versprechend. „The Inmost Feeling Ripples“ leitet das etwas zu lang geratene „Aria Di West Lake“ ein, welches ein schönes Leitmotiv vorzuweisen vermag, sich letztlich aber zu sehr darauf stützt und bis auf einen kleinen Aufruhr wenig Höhepunkte bietet. Dieses Aufbegehren mit Bläsern und Chor wird dann erst in „Fish Dive In The Lake“ umgesetzt. Da gibt es dann auch über sieben Minuten lang volle Power. Kitaro lässt sich Zeit. Viel Zeit. Spätestens jetzt ist das Konzept der Oper deutlich. Die zehn einzelnen Stücke bilden ein großes Ganzes und so versucht Kitaro gar nicht erst innerhalb eines Stückes für viel Abwechslung zu sorgen, sondern Atmosphäre aufzubauen.

Die Mission Ost/West gerät dabei nie ins Hintertreffen, allerdings sind die Grenzen zwischen den Kulturen zu deutlich gezeichnet. So ist „The Moon On The Lake“ eindeutig östlich angehaucht, wohingegen „Impressions Of The West Lake“ mehr dem westlichen Geschmack entspricht. Zu fade ist die Mischung. Die Elemente gehen weitestgehend unter und es fallen einem eine Menge guter Stücke aus bekannten Videospielereien ein, die den Spagat zwischen Ost und West besser dargestellt haben. Das ist natürlich ein sehr spezielles Ressort und doch sollte der geneigte Kitaro-Hörer wissen, dass gerade die japanische Spieleindustrie jährlich mit hochklassiger Musik punktet, die nicht selten an eine Sphäre der Stücke dieses Albums heranreicht und für mehr Völkerverständigung sorgt.

Da kommen „Zen“ und „Lotus“ als opernuntaugliche Lieder gerade recht. Diese heben Kitaros Stärke für Sphäre superb hervor, auch wenn das Konzept stark darunter leidet. Nicht Fisch, nicht Fleisch, wie man so gerne sagt. Die nächste klassische Arie „Reflection Of The Moon“ und das anschließende „Romance“ erinnern dann wieder daran, dass es sich hierbei um eine Oper handeln sollte und auch wenn dieser Eindruck nicht wirklich geweckt wird, kann man Kitaro alles vorwerfen, aber nicht, dass er sein Fach nicht beherrscht. Die Musik ist groß angelegt und funktioniert auf allen Ebenen. Eigentlich gibt es nichts zu meckern. Nur das Konzept, welches der Musiker für sich beansprucht ist nicht vorhanden. Es ist keine Oper und kein sehenswerter Spagat zwischen Ost und West. Dazu kommt eine zu starke Vorliebe für Synthesizer, die den Geist der Oper nicht gerade bestärken. Vielleicht hat Kitaro seine beste Zeit einfach schon hinter sich. Auch ein Glass kann nicht immer zaubern. So hört man nur „normal gute Kost“. Meckern fällt am Ende immer leichter, als Anerkennung zu zeigen.

Anspieltipps:

  • Fish Dive In The West Lake
  • Reflection On The Moon
  • Zen

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