Tangerine Dream - Winter In Hiroshima: The Atomic Seasons Part 4 - Cover
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Tangerine Dream Winter In Hiroshima: The Atomic Seasons Part 4


  • Label: Neo/Sony Music
  • Laufzeit: 61 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Schon mal das Radio eingeschaltet und auf einem Seelenfrieden suchenden Sender gelandet. Diese Sender, die bei Autofahrten nach Einbruch der Dunkelheit unbedingt gemieden werden sollten, da von ihnen eine ungemeine Ruhe ausgeht. Diese Art von Elektroklängen, die einen auf eine lange Wanderung durch unwirkliche Traumlandschaften führt. Da hilft es auch nichts, wenn das Album so einen greifbaren Namen wie „Winter In Hiroshima“ erhält. Tangerine Dream zählen sich zu jenen Bands, die nicht mitreißen oder betören wollen. Sie schicken den Hörer einfach auf eine Reise, auf welcher man sich und alles um sich vergessen kann, wenn man die Augen schließt. Neben Jazz vielleicht die beste Art abzuschalten.

Ähnlich wie bei Kitaro, der zeitgleich beim selben Label mit „Impressions Of The West Lake“, wird sich hier jede Menge Zeit bei der Entfaltung der Liedstrukturen gelassen. So sind bombastische Sequenzen eher die Seltenheit und es kommt auf die kleinen Dinge im großen Format an. Gekleckert wird hier nämlich keinesfalls. Die Soundscapes sind mehr als riesig und man fühlt sich in einer weiten Mondlandschaft, die hinter jeder Ecke neue Geheimnisse birgt. Von Rock ist auf diesem Album wenig zu hören. Nur selten sorgen ferne E-Gitarren für Untermalung. Mehr in den Vordergrund soll dann wieder der asiatische Touch sein, schließlich ist „Winter In Hiroshima“ der Abschluss der Konzeptreihe „Five Atomic Seasons“, in welchem die Geschichte einen positiven Abschluss finden soll. Auch so alte Hasen wie Tangerine Dream sind also Romantiker.

Die Instrumentalband bleibt sich in ihrer Linie treu und streut die weite Landschaft, die mit Hintergrundwissen vom Mond nach Japan zur Zeit des zweiten Weltkriegs wandelt. Eine wirkliche Traurigkeit ist bei den Stücken nicht auszumachen und das mag wohl dem positiven Geist geschuldet sein, der das Album tragen soll. Nichtsdestotrotz ist es wie immer Neugier und Erstaunen, welche einen durch die Musiklandschaften von Tangerine Dream begleiten. Auch wenn einige Tracks beim ersten Hören ziemlich altbacken wirken („Transition“ ist gleich zum Einstieg schwer) und böse Erinnerungen an ein Feststecken in den 80ern erinnern, bekommt jeder Track seine besondere Note und verdient es, in voller Länge gehört zu werden.

Allein diese Anlaufschwierigkeiten trüben das Vergnügen, besonders weil manche Szenen einfach mit der Zeit geduldet werden und nicht etwa eine vorher unsichtbare Schönheit offenbaren. Bei allem Respekt und der Wichtigkeit und Größe der Band, muss mit der Zeit gegangen werden und das tut diese Konzeptreihe nicht durchgängig. So entsteht zwar wieder ein mehr als gelungenes Werk, jedoch sollte man sich mit Ausdrücken wie Meilenstein und Meisterwerk gar nicht erst auseinandersetzen. Anstatt dessen sollten Fans neue Musik ihrer Lieblinge genießen und wer per Zufall als Instrumentalfan auf die Band stößt, der wird sich bestimmt nicht beschweren.

Anspieltipps:

  • Ayumi’s Loom
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