Betontod - GlaubeLiebeHoffnung - Cover
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Betontod GlaubeLiebeHoffnung


  • Label: Better Than Hell/EDEL
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Laute Gitarren, kratzige Stimmen, die nach Aufbruch begehren und Texte, die Staat und Alltag anklagen.

Es gibt ihn tatsächlich noch. Er bevölkert im Sommer die Großstadtparks und Touristen machen einen Bogen um sie, sowie auch die meisten Einheimischen. Warum eigentlich? Er sitzt da doch ganz ohne böse Absichten inmitten einer Wiese, schlürft genüsslich sein Dosenbier (oder Blutorangensaft – es muss ja nicht immer Klischee sein) philosophiert über Gott und die Welt und im Endeffekt wird zumeist der Konsens darin gefunden, dass beim Herren da oben, wie bei jenen im Parlament eine Menge schief läuft. Bei großen politschen Demonstrationen und in Sachen Bewegungen sieht man ihn allerdings nicht mehr so häufig: den Punk.

Laute Gitarren, kratzige Stimmen, die nach Aufbruch begehren und Texte, die Staat und Alltag anklagen. Zugegeben ist die Staatskritik schon lange nicht mehr das große Thema bei den modernen Punks und so spigelt sich das auch in der Musik Betontods wider. Hier werden lieber Details aus Leben genannt, deren Thematik und Moral sich meist schon im Titel erraten lässt („Alphatier“, „Ohne Standpunkt“, „Widerstand“). Oft gleiten die Texte aber auch ins abstrakte ab, was erfrischend wirkt und weiter weg vom typischen, unzufriedenen Gemüt dieser Sparte führt. Geblödelt wird – zumindest strukturell, wenn schon nicht textlich – gleich nach dem tiefsinnigen Titeltrack in „Ewigkeit“, das mit Olé-Rufen einen fragwürdigen Gegenpol zum sonst ernsten Text bildet.

Musikalisch muss nicht allzu viel erwartet werden. Betontod fahren auf, was sie müssen. Das wären da melodiöse Gitarren, die immer wieder in harte Gefilde abrutschen, um die Massen in Bewegung zu bringen, was mit ihrer Musik im Stile der Toten Hosen kein Problem sein sollte. Nichtsdestotrotz merkt man dem heutigen Punk auch bei so eingefleischten Punkern wie Betontod an, dass sie mit der Zeit gehen müssen und ihre Musik nicht mehr auf Haudrauf-Prinzip getrimmt sind. So fehlen dem Album – neben der Stimme des Sängers – die Ecken und Kanten, die dieses Album wirklich erwähnenswert machen. So ist es nur ein weiteres Stück Punkrock, das aber keine Höhepunkte für diese Sparte setzen kann. Weder jetzt, noch als Andenken an die Vergangenheit. Bloßes rezitieren ist schließlich auch nicht das Wahre. Da kann auch wieder am Stammtisch im Freien losgepoltert werden. Wer weiß, vielleicht wird dabie auch mal in die neue Betontod-Platte reingeschaltet…

Anspieltipps:

  • Stadt Ohne Licht
  • Sexy Blutsommer ‘89
  • Alphatier

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