The Blue Van - Man Up - Cover
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The Blue Van Man Up


  • Label: Iceberg Records
  • Laufzeit: 34 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein knappes halbes Jahr ist es her, da spielte Voicist aus den Niederlanden aus den Boxen und begeisterte mit den ersten Klängen als modernes Rockalbum. Die Erfahrung der Insel und frische Eigenständigkeit sorgten für ein paar Tracks, die es wirklich in sich hatten. Ende Februar des neuen Jahres schafft ein Album wieder, mehr als schnell für Begeisterung zu sorgen. Das Album nennt sich „Man Up“ und kommt von der dänischen Rockgruppe The Blue Van, die schon 2003 für Indie-Aufsehen sorgten, als TVT sie unter Vertrag nahm.

So richtig glücklich wurden die organisch natürlichen Klänge der Band dann aber doch nicht mehr aufgenommen und so war für Steffen Westmark (Gitarre/Gesang), Sören Oakes Christensen (Keyboard/Gitarre), Allan Villadsen (Bass) und Per Jörgensen (Schlagzeug) nach „Dear Independence“ schon Schluss beim so viel versprechenden Label. Die Skandinavier haben mit Iceberg Records jedoch ein Ass im Ärmel gehabt und so konnten die bereits entstandenen Demos ausgearbeitet und verwertet werden. Wie schon 2003 für „The Art Of Rolling“ bescherte das Quartett Hamburg einen Besuch und auch wenn eine alte Anlaufstelle besucht wurde, wollte man neue Wege gehen. So ist „Man Up“ technisch feiner produziert und vollzieht in Sachen Klangebene den Schritt in die Neuzeit. Die alten Oden an den Rock’n’Roll gehen dabei natürlich nicht verloren.

Einen Ruf haben sich die Jungs über das Fernsehen erarbeiten können und werden dem ein oder anderen deswegen auch auf Anhieb bekannt und auch sympathisch vorkommen. Ob Beverly Hills 90210, CSI oder Scrubs, The Blue Van erfreuen sich größter Beliebtheit und das Rezept dafür ist ehrlicher Rock, der geradlinig funktioniert und von eingängigen Melodien lebt. Irgendwo zwischen Jet und Mando Diao kann man The Blue Van einordnen, denn sie klingen zeitgemäßer als Mando Diao und sind nicht ganz so rau wie Jet es zu Beginn waren, ohne in den jetzigen Glamour abzurutschen. Ein sehr gutes Beispiel ist das erdige „In Love With Myself“, welches sich gefährlich nach einem Tanzbodenabräumer der letzten Jahrzehnte anhört. Retro ja, aber selten so stark, wie bei dieser Nummer. Diese wirkt jedoch nicht altbacken, sondern ist genau richtig, um das Tempo weiter zu heben, nachdem „Lay Me Down And Die“ vorher mal kantig und dann doch irgendwo rock-balladesk um Pause gebeten hat.

Dass „Out Of Control“ als zweiter Extremstampfer gleich hinterherkommt, ist vielleicht ein wenig unglücklich. Objektiv tut es der Qualität jedoch keinen Abbruch. Dagegen erklingt anschließend auch die nächste Ballade in Form von „True“. Aber hey! Was ist eigentlich aus dem Beginn des Albums geworden? Nur so viel: „Be Home Soon“ und „Silly Boy“ sind die Schritte zum modernen Rock, der anfangs angesprochen wurde und der Titeltrack ist ein Bassungeheuer, welches sich beinahe wie „Crying Lightning“ von den Arctic Monkeys in den tiefen Klängen suhlt. Nur ist es bei den Dänen nicht ganz so auf Wüstensound angelegt, sondern die Jungs machen ihr Ding und wirken so viel unverkrampfter. Spätestens bei der Hip-Hop-Einlage in „I’m A Man“ (welches wirklich männlich klingt) weiß man, dass die Jungs schlichtweg ihren Spaß hatten. Das letzte Mal war so ein Einstieg ähnlich überraschend für den Rezensenten, als er sich das Juli-Debüt anhörte und plötzlich Reggae hörte.

Der schlagkräftige Rock darf gegen Ende des Albums noch mal das Zepter an sich reißen, wobei er es ja nie wirklich abgegeben hat. Zu sehr sind die vier Dänen noch in ihren Roll verliebt. Da blitzen bei „Stop Thinking Of Yourself“ und „Put My Name In The Sand“ nicht bloß Reminiszenzen durch, sondern herrschen über das Klanggefüge. Allein „Trees That Resemble“ sorgt als akustisch angehauchte Nummer für Abwechslung. Allerdings ist die Eingängigkeit auf „Man Up“ kein einziges Mal als negativer Aspekt zu betrachten. Wie auf Jets fantastischem Debüt wird Kraft gebündelt, die einfach raus muss. Wer keinen Draht zu Retro-Rock hat, der wird sich nur in „Be Home Soon“ und „Man Up“ verlieben können. Jedem Rock-Fan, den die Dekade der Herstellung so viel interessiert, wie den Durchschnittsdeutschen das detaillierte Parteiprogramm im Zuge der Vorwahlen, kann gepflegt losrocken und sich vom blauen Van einweisen lassen.

Anspieltipps:

  • Be Home Soon
  • True
  • Man Up

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