Toni Braxton - Pulse - Cover
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Toni Braxton Pulse


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 42 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Bevor es zwischen den beiden R&B/Pop-Diven Whitney Houston (ca. 170 Millionen verkaufte Platten weltweit) und Toni Braxton („nur“ 40 Millionen Alben wechselten den Besitzer) zum kommerziellen Showdown nach ihren Multi-Platinerfolgen in den 80ern bzw. 90er Jahren hätte kommen können, bringt sich das ehemalige Goldkehlchen nach Drogenexzessen, Scheidung vom prügelndem Ehemann Bobby Brown und dem recht gefälligen Comebackalbum „I look to you“ (08/2009) in die missliche Lage bei ihren Konzerten ausgebuht zu werden. Ob die Karriere für Houston damit gelaufen ist, steht in den Sternen, aber der 41jährigen Sängerin aus Maryland, die mit Hits wie „Un-break my heart“ und „You´re makin´ me high“ die Charts dominierte, wird es somit sicherlich leichter fallen in die übergroßen Fußstapfen der einst so umwerfenden Stimme zu treten, auch wenn es womöglich nur darauf hinauslaufen wird, dass die gute Whitney das Szepter der weiblichen Schmeichelpopballadensängerinnen an Braxton weitergeben muss, damit diese dem Nachwuchs (u.a. Leona Lewis) ein besseres Vorbild sein kann.

Wie dem auch sei, nach fünfjähriger Abstinenz musste für die mit sechs Grammys ausgezeichnete Sängerin ein Album her, dass den ausgeglichenen Mix aus Pop, Dance und R&B des Vorgängers „Libra“ (10/2005) in sich trägt, aber zugleich am Puls der Zeit ist, was nicht nur unmissverständlich mit „Pulse“ betitelt wurde, sondern auch im extrem tanzbaren Clubtrack „Make my heart“ Niederschlag gefunden hat. Abseits dieser mit funkigen Bläsern, packendem Rhythmus und fingerschnippenden Eleganz ausgestatten Nummer setzt Miss Braxton vorrangig auf Nummer Sicher und legt einen berechenbaren Song nach dem anderen vor. Glücklicherweise rettet ihre Stimme viele Stücke vor dem künstlerischen Exitus, sodass der Schmachtfaktor nicht ins Bodenlose gleitet und das soulige Timbre einen gelungenen Gegenpart zu solch schwülstigen Klimpersounds, wie in „No way“ oder „Why won´t you love me“ propagiert, aufbietet.

Das ca. 30 Mann und Frau umfassende Songschreibergeschwader (inklusive Braxton selbst) hat nichts unversucht gelassen alte Tugenden in Zeiten von Rihanna, Leona Lewis und Christina Aguilera in ein modernes Kleid schlüpfen zu lassen, was neben der wuchtigen Ballade „Yesterday“ entweder stampfend-redundante Beats generieren ließ („Lookin´ at me“, „Wardrobe“), angenehme, aber in ihren Möglichkeiten limitierte Popsongs („If I have to wait“, „Pulse“) oder unentschlossenes, an rezente Trends angepasstes Material hervorbrachte („Hero“, „Hands tied“, „Woman“). Ohne groß um den heißen Brei herumzureden, „Pulse“ ist alles nur nicht gänsehautfördernd. Die Produktion ist makellos, Braxtons Stimme legt sich mit Ausnahme vom Überhand nehmenden Katzenjammer in „Hands tied“ sanft in die Gehörgänge und für nette, unauffällige Hintergrundbeschallung eignet sich der sechste Output der Amerikanerin auch hervorragend, doch an alte Glanztaten reicht diese allzu glatte Vorstellung zu keiner Sekunde heran.

Anspieltipps:

  • Yesterday
  • Make My Heart
  • If I Have To Wait

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