Dan Berglund´s Tonbruket - Tonbruket - Cover
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Dan Berglund´s Tonbruket Tonbruket


  • Label: ACT/Edel Records
  • Laufzeit: 55 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Bitte vergesst sofort die oben stehende Kategorisierung. Am besten Ihr vergesst auch gleich alles, was ihr über dieses Genre zu wissen glaubt. Jazz ist ein unglaublich weiter Begriff, viel umfangreicher und mächtiger, als die Eindrücke, die man in seinem Hirn durch die Gegend trägt. Dan Berglund sollte jedem ein Begriff sein, der sich nur ansatzweise mit Jazz beschäftigt und nicht das letzte Jahrzehnt im Dauerwinterschlaf verbracht hat. Als Mitglied von E.S.T, dem Esbjörn Svensson Trio, hat er die letzte Dekade des Jazz maßgeblich geprägt. Nach dem Unfalltod Svenssons hat sich Berglund neu orientiert und der Zusammenschluss mit anderen Musikern hat eine brandneue Band namens Tonbruket hervorgebracht, die sich selbstredend frischen musikalischen Ideen hingibt.

Klar war, dass Dan Berglund keinen konventionellen, konservativen und alteingesessenen Jazz spielen wird, aber die Art und Weise von „Tonbruket“ verschlägt einem beim ersten Hören dann doch den Atem. Wer „Leucocyte“, das letzte Album von E.S.T., für zu gewagt und experimentell hielt, sollte sich auf das Terrain von Tonbruket erst gar nicht verlaufen. Vollgepackt mit kreativen Kombinationen aus scheinbar gegensätzlichen und untypischen Themen und Stilen überraschen die Musikstücke immer wieder aufs Neue. Elemente des Jazz treffen auf Hardrock („Monstrous Colossus“), progressive Themen („Sister Sad“), auf elektronische Beats („Song For E“), vermischen sich mit asiatischen Klängen („Sailor Waltz“), melodisch tanzbaren Tönen („Gi Hop“) oder auch Country-Klängen („Waltz For Matilda“).

„Tonbruket“ versinkt dabei nie im Chaos und erweist sich auch nicht als komplexe Dauerimprovisation. Vielmehr wird eine ganze Palette an Musikstilen auf ein meist langsames, gar trauriges Jazzgrundgerüst aufgetragen, so wie ein Maler aus seiner Farbpalette schöpft und aus den Grundfarben neue Mischtöne entwickelt, um mit ihnen ein Bild zu kreieren das einen bestimmten Farbstich hat, besondere Töne bevorzugt. Jede Komposition stellt solch ein Bild dar, eine klar erkennbare Songstruktur eingefärbt in einem bestimmten Musikstil. Das Problem sind manche fast schon zu monotone Kompositionen („Stethoscope“), ein Hauch zu viel Melancholie oder eine Dauerschleife einer wenn auch schönen Passage („Gi Hop“). Das sind alles kleine Kritikpunkte eines in der Tat unkonventionellen Albums, das in neue Gebiete vordringt. Tonbruket sind die neue Klangfabrik fürs neue Jahrzehnt.

Anspieltipps:

  • Sister Sad
  • Sailor Waltz
  • The Wind And The Leaves
  • Monstrous Colossus

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