Lowood - Close To Violence - Cover
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Lowood Close To Violence


  • Label: G-Records/Intergroove
  • Laufzeit: 42 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Was ist die Voraussetzung dafür, dass es große Popstars gibt? Richtig! Es gibt auch kleine. In aller Herren Länder haben Menschen den Traum, mit ihrer Musik die Massen zu erreichen und zu beglücken und nebenbei so den eigenen Lebensunterhalt zu sichern. Man kann sich die Suche nach richtig guter Popmusik wie ein Nachttauchen nach Perlen vorstellen. Wir selbst sind nicht an der Suche beteiligt. Es suchen verschieden gut ausgerüstete Menschen nach den funkelnden Schätzen und finden mehr oder wenige schöne Perlen. Und nur gefundene Perlen kann man auch auf den Markt bringen. Allerdings ist Perle nicht gleich Perle und so schaffen es gerade die Großhändler immer wieder, einem weiß zu machen, dass alle Perlen eine Riesenqualität haben. Dies tun sie mit einer solchen Beharrlichkeit, dass man es irgendwann selbst glaubt.

Aber auch kleine Händler finden ab und an Schätze, doch ihre Stände werden natürlich weitestgehend links liegen gelassen. Aber Moment: In Frankreich kaufen die besten Köche ja auch nicht im Supermarkt ein. Und auch Schmuckhändler, um bei unserer Metapher zu bleiben, suchen nicht auf dem Großmarkt nach Einzelstücken. Wenn es jeder haben kann, sind es ja keine Besonderheiten mehr. Der Blick hinter die Kulissen und in die kleinen Seitenstraßen des Musikgeschäfts können sich also lohnen. Die realistische Wahrheit ist aber natürlich, dass die großen Tiere des Business immer noch die größten Geldscheinhaufen nach Hause bringen.

Jemand wie Lowood (Therese Johansson) aus Schweden gehört zu jenen, die nicht auf der großen Welle des Erfolgs mit reiten. Aber wieso? Ist ihre Musik zu schlecht oder fehlt es einfach an öffentlichem Interesse. Man muss die Leute darauf aufmerksam machen, dass etwas gut ist, oder zumindest den Anschein hat. Ansonsten würden heute nicht Millionen Menschen die Geschichten von Eragon und Harry Potter kennen. Von Edward und seiner Bella ganz zu schweigen. Dass es sich hierbei nicht zwingend um literarische Meisterwerke handelt ist erstmal egal und Ansichtssache: der Erfolg rechtfertigt den Ruf.

Lowood macht Pop. Pop mit viel Gitarre und viel Herz, ohne zu vergessen, wie verspielt Skandinavier gerne sind. Da sind immer wieder Keyboards, die für spacige Ausflüge sorgen, aber auch viel erdige Gitarrentöne und eine warme Stimme, die Melancholie und Hoffnung zugleich an den Tag legt. Für den heutigen Radioalltag wirkt die Schwedin jedoch viel zu unaufgeregt. Es ist kein Zufall, dass auf der letzten Lewis-Platte jeder Song nach spätestens 60 Sekunden in eine Beatlastigkeit sondergleichen verfällt. Der Trend zeigt zur Zeit nicht auf ruhige Songwriter und sanften Gitarrenpop. Da kann ein noch so schönes Duett („It’s A Mess“) ertönen. Letztendlich schreit kein Hahn danach.

Aber beobachten wir Lowood objektiv, wie andere Musiker auch, offenbart sich eine ansprechende Mischung voller Atmosphäre und Gefühl. Das Album droht zwar öfters ins zu Ruhige abzudriften, findet dann aber immer wieder zurück, den Hörer zu unterhalten. Sei es ein gefühlvoller Refrain („Parts Of Red“) oder eine anschließende Nummer mit mehr Tempo („A Flickering Light“). Lowood bietet eine 50:50-Mischung aus konventionellem, aber schönem Gitarrenpop und typisch skandinavischen Chill-Out-Musikreisen. Vielleicht keine strahlende Perle, aber auf jeden Fall besser als die Ware von der Stange.

Anspieltipps:

  • A Flickering Light
  • Walking Dead
  • It’s A Mess

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