Serj Tankian - Elect The Dead Symphony - Cover
Große Ansicht

Serj Tankian Elect The Dead Symphony


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 54 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Rock und Metal trifft auf Symphonieorchester – Dass diese ungewöhnliche Mischung spannend ist und durchaus funktioniert, zeigten schon mehrere Künstler, am eindrucksvollsten Metallica mit dem 1999 erschienenen Livealbum „S&M“, das sie zusammen mit dem San Francisco Symphony Orchestra einspielten. Nun hat sich Serj Tankian, bekannt als Sänger von System Of A Down, daran gemacht, den Fans die Songs seines Soloprojekts in neuem Gewand zu präsentieren. Möglich macht es das Auckland Philharmonia Orchestra. Grundlage von Tankians Ausflug in die klassische Musik sind sein 2007 veröffentlichtes Solodebüt „Elect The Dead“ sowie eine kleine Auswahl bisher unveröffentlichter Songs. Neid ist angebracht, auf das Publikum, das den „Elect The Dead Symphony“ Abend im Neuseeländischen Auckland miterleben durfte.

Hört man sich die rund um den Globus gefeierten Platten von System Of A Down oder auch Tankians ersten Alleingang „Elect The Dead“ an, weiß man, das der armenische Sänger und Multiinstrumentalist offen für musikalische Experimente ist. „Elect The Dead Symphony“ war nicht abzusehen, stellt irgendwo aber trotzdem den nächsten logischen Schritt in Tankians musikalischer Laufbahn dar. Und man merkt seine aufrichtige Freude an diesem Projekt; eine Chance, die sich nicht gerade alle Tage bietet.

Orchester und Sänger sind auf „Elect The Dead Symphony“ stets gut aufeinander abgestimmt. Ohne dass sich die beiden Komponenten gegenseitig übertönen, gelingt eine stimmige, epische Erweiterung der einstigen Rocknummern. Das unheimlich stimmungsvoll aufbereitete „Feed Us“, zum Anfang gleich das längste Stück des Albums, nimmt sich die angemessene Zeit, um Tankians neue „Bandkollegen“ vorzustellen. Dann packt der Chef gleich eine kleine Perle aus, denn bei „Blue“ handelt es sich um einen allenfalls inoffiziell aufgenommenen SOAD-Demosong, den selbst Hardcorefans bislang nur vom Hörensagen kannten. Mit den darauffolgenden Singles „Sky Is Over“ und „Lie Lie Lie“ wird die Stimmungskurve konstant hoch gehalten.

Nach „Money“ verpasst das Orchester dem mitreißenden „Baby“ gleich doppelt so viel Emotion wie in der Originalversion, bevor man dem Meister dann bei zwei weiteren bisher unbekannten Titeln namens „Gate 21“ und „The Charade“ gebannt lauschen kann. Mit „Honking Antelope“, „Saving Us“ und Titeltrack „Elect The Dead“ wird das bekannte Album weiter abgearbeitet, bis sich das fulminante „Falling Stars”, bisher unveröffentlicht, dazwischen schiebt, wo Serj seine bedeutungsschwangeren Zeilen gegen Ende mit besonderer Leidenschaft in die Welt hinaus ruft. Auf „Beethoven’s C**t“ folgt dann das Finale, Publikumsliebling „Empty Walls“. Zum Schluss ein glückliches „You guys are awesome!“, Applaus und fertig ist ein weiteres kleines Stück Livemusikgeschichte.

Mit „Elect The Dead Symphony“ überzeugt Serj Tankian auch die letzten Zweifler von seinen Qualitäten als Livesänger. Er leistet sich wie gewohnt viele stimmliche Experimente, jedoch keinen eindeutigen Patzer. Bis auf die verständliche Ausnahme „Praise The Lord And Pass The Ammunition“ wurde jedes Lied von „Elect The Dead“ in einer neugemischten Tracklist mit viel Liebe zu einer eindrucksvollen Klassik-Nummer erweitert, ergänzt von nicht minder interessantem „Bonusmaterial“. (Ein weiterer Grund zur Freude: Wenn sich die Ohren des Rezensenten nicht täuschen, hat sich als Backgroundsänger ein gewisser Daron Malakian zur Verfügung gestellt.) Einziges Manko sind Tankians starke P-Laute durch das Mikrofon und das schnelle Ein- und Ausblenden der einzelnen Songs, was die Frage nach dem kompletten, ungeschnittenen Konzert aufwirft. Doch alles in allem ist „Elect The Dead Symphony“ auf seine ganz eigene Art gleichstark wie die Version ohne Orchester.

Natürlich wird Serj Tankian fortan nicht nur noch mit Orchestern musizieren. Dafür ist „Elect The Dead Symphony“ ein ausgefallenes wie gelungenes Ausnahmeprojekt, das dem Musiker den Spaß an seiner Arbeit erhält, von dem die Fans auch so einiges haben und an das man sich erinnern wird. Bravo.

Anspieltipps:

  • Lie Lie Lie
  • Baby
  • The Charade
  • Honking Antelope
  • Falling Stars
  • Empty Walls
Neue Kritiken im Genre „Rock“
5.5/10

Songs Of Experience
  • 2017    
Diskutiere über „Serj Tankian“
comments powered by Disqus