She MC - Shenesisch Für Anfänger - Cover
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She MC Shenesisch Für Anfänger


  • Label: Rocking Ape Records
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6/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Frauen im HipHop/Rap sind eher selten. Das Genre ist im Prinzip eine reine Männerwelt und nur ganz selten macht mal eine Frau von sich reden (Sabrina Setlur am Anfang ihrer Karriere etwa). Eigentlich schade, denn allein aufgrund des Exotenstatus sollte für die holde Weiblichkeit mehr drin sein. Zudem steckt der HipHop/Rap nun schon seit einiger Zeit in einer schweren Krise. Da täte frisches Blut Not! Aber vielleicht tut sich ja jetzt etwas.

Schon seit 2003 versucht die Rapperin She MC (mit bürgerlichen Namen Stefanie D.) mit verschiedenen Formationen in der Szene Fuß zu fassen. Bisher mit bescheidenem Erfolg. Jetzt hat die 31-Jährige ihr erstes Soloalbum am Start, mit dem sie den vermeintlich toughen Jungs die Leviten lesen will. Leider entpuppt sich „Shenesisch für Anfänger“ am Ende nicht als das erhoffte Feuerwerk, mit dem die deutsche Rapwelt aus den Angeln gehoben werden kann. Als Enttäuschung ist das Album allerdings auch nicht einzustufen.

She MC findet ein paar deutliche Worte, mit denen sich – zumal aus dem Mund einer Frau – amtlich provozieren lässt („Ohne Penis“, „Fass mich an“, „Wolke 7“) und auch musikalisch werden ein paar durchaus interessante Variationen eingebracht (z.B. Rockgitarren in „Shewagon“), die unterm Strich zu einem soliden Ergebnis führen, das mitunter Parallelen zu der deutschen Pop-Rap-Girl-Group Tic Tac Toe aufkeimen lässt. Denn in ihren Texten verarbeitet She MC – wenn auch wesentlich ernsthafter – die gleichen Themen wie das Trio aus dem Ruhpott (Mädchen auf der Suche nach Liebe, im Club Spaß haben, Typen anmachen und abschleppen).

Richtig gut ist She MC immer dann, wenn sie keine Geschichten konstruiert, sondern sich mit der Realität auseinandersetzt. So reflektiert die 31-Jährige ihre Situation als allein erziehende Mutter und die Zukunft ihres Sohnes („Zeit der Wölfe“), sie macht sich Sorgen um ihren drogenabhängigen Freund und Vater ihres Kindes („Ventil“) und sie lässt ihren sexuellen Trieben freien lauf, dass der Hörer rote Ohren davon bekommt („Fass mich an“). Reinrassige HipHop-Klänge sucht der Hörer dabei vergebens. She MC geht ihr Debütalbum musikalisch relativ offen an und paart elektronische Club-Sounds („Ich bin She“, „Hey Mr. DJ“) mit Gitarrenpopsongs, in denen nicht gerappt sondern gesungen wird („Prinzessin“) und Stücken, die aus der R&B-Ecke kommen („Ohne Penis“). Dazu gibt es mit „Hitparade“ einen tanzbaren Popsong, in dem sich She MC vorstellt („Bei mir bekommt ihr was ihr wollt / Ja, ich weiß ganz genau, was Deutschland braucht / Von witzig spritzig hart und bis Ballade / Mein ganzes Album ist eine Hitparade“), was sie auf andere Art auch in „Moderne Sklaven“ und „Ich bin She“ tut.

Aller Anfang ist schwer, doch She MC zieht sich unterm Strich passabel aus der Affäre. Ihr Album ist zwar mehr im Pop als im HipHop zuhause, aber dennoch eine willkommene Abwechslung für ein immer stärker langweilendes Genre, das frische Impulse dringend nötig hat.

Anspieltipps:

  • Ventil
  • Wolke 7
  • Shewagon
  • Prinzessin
  • Moderne Sklaven

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