Christy & Emily - No Rest - Cover
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Christy & Emily No Rest


  • Label: Klangbad/Broken Silence
  • Laufzeit: 39 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Da haben sich zwei gesucht und gefunden. Und zwar in der New Yorker Punkband Lil’ Fighters. Zum Einen Christy Edwards, die anhand eines Metallica-Noten-Buchs ihr Instrument lernte und auch in Sachen Kunst die Szene unsicher machte. Emily Manzo dagegen hat eine klassische Ausbildung am Piano absolviert und mit dem Filmemacher Paul Rowley zusammengearbeitet. Nach ihrer Zeit bei den erwähnten Lil’ Fighters veröffentlichten sie als Christy & Emily ihr Debüt-Album „Gueen’s Head“. Für eine Tour in den USA spielten sie im Vorprogramm für The Nightingales und deren Bandleader Robert Lloyd war sofort begeistert und lud sie für Auftritte nach Europa ein.

Auf dem Klangbad Festival 2008 in Scheer sorgten sie für Faszination, sowohl beim Publikum als auch bei Hans Joachim Irmler (Faust), dem Betreiber des Klangbad-Labels, der sie das vorliegende „No Rest“ in den Faust-Studios einspielen ließ. Irmler höchstpersönlich hat das Ganze entsprechend abgemischt und produziert. Nicht nur deswegen hat es das Zweitwerk von Christy & Emily in sich. Mit Psychedelic Art Folk sind die zehn unkonventionellen Songs nur unzureichend umschrieben. Der unterschiedliche und ungewöhnliche musikalische Werdegang der Beiden spiegelt sich letztlich darin wieder und wird vor allem in ein schlüssiges Konzept überführt.

Christy Edwards versetzt die Saiten ihrer E-Gitarre hier und da in Lou-Reed-VU-Schwingungen, die oftmals mit Vibrationen und Hall verfremdet werden. Den Kontrast hierzu setzen die betörenden Stimmen der Beiden und das fantasievolle Piano- und Orgelspiel von Emily Manzo. Alleine der Gesang von Christy & Emily sorgt für die ätherische Stimmung des Albums, das auch immer wieder von einem dunklen Rumoren und albtraumhaften Verstörungen durchzogen wird. Zwei Gastauftritte hat ein Cello (gespielt von Sehera Nawaz) auf dem poetischen „Amaryllis“ und auf „Guava Tree“, das eine wunderbare Balance zwischen traditionellem Folk und modernem Indie-Verständnis findet. Eine bedrückende Selbstmordballade mit umgarnenden Gesängen und bedrohlichen Percussion- und Pianoklängen, welche die Gespenster zum Tanze bitten.

Wenn die Zwei eine Zeile wie „Sun, when you go down, don’t make it hard to know what’s going on“ in der Interaktion Gesang, Lyrics und Musik zu einem poetischen Höhepunkt werden lassen, ist man als Hörer längst ins wundersame Land von Christy & Emily getaucht. Ein Märchen-, Albtraum-, Geister- und Gespensterland, wo gleichermaßen Feen, Hexen und Göttinnen mit Schönheit, Träumen und Nachtmahren zaubern.

„No Rest“ lebt von diesen Gegensätzlichkeiten, die immer eine Struktur finden und dennoch freier Natur sind. Vergleiche? Werden sofort wieder verworfen, lediglich einige atmosphärische Anhaltspunkte: das „Odyshape“ Album der Raincoats, Ruby Throat und Raymond Raposa (Castanets). Christy & Emily destillieren aus Minimalismen, Monotonie Mondlicht und anderen seltenen und seltsamen Ingredienzien zehn Kleinode, die spätestens beim zweiten oder dritten Durchlauf ihre Wirkung entfalten.

Anspieltipps:

  • Beast
  • Sundowners
  • Guava Tree
  • Idle Hands

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