Past Lives - Tapestry Of Webs - Cover
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Past Lives Tapestry Of Webs


  • Label: Suicide Squeeze
  • Laufzeit: 46 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit ihrem letzten Werk „Young Machetes“ hatten sich The Blood Brothers spätestens 2007 eine kleine Schar von Fans erspielt, die sich mit ihrer einzigartigen Auffassung von Hardcore identifizieren konnten. Der Weg hätte für diese experimentellen Exzentriker noch viel weiter gehen können, doch dann verkündeten sie das Aus. Schon kurze Zeit später wurde klar, dass sich die Band in zwei Lager gespalten hatte, von denen sich eins bald zur neuen Band Jaguar Love zusammenschloss. Während sich bei den Blood Brothers die beiden Schreihälse Johnny Whitney und Jordan Blilie die Mikrophonarbeit teilten, so wollte Whitney von nun an nur noch mit Gitarrist Cody Votolato gemeinsame Sache machen.

Mittlerweile haben Jaguar Love unlängst ihr zähes Pop-Glamrock Album „Take Me To The Sea“ (2008) veröffentlicht und mit „Hologram Jams“ bereits demnächst ihren zweiten Langspieler in den Startlöchern stehen, die übrigen Bandmitglieder ließen sich jedoch Zeit, formierten sich neu und holten zunächst ihren alten Bekannten Devin Welch an die Gitarre, um als Past Lives weiter zu musizieren und innerhalb kürzester Zeit die EP „Strange Symmetry“ zu veröffentlichen. Während sich Jaguar Love nun immer tiefer in unnachvollziehbaren Synthie-Disco-Experimenten verstricken („Up All Night“) und Whitneys hyperaktiver Gesang weitaus mehr nervt als sein früheres Geschrei, schaffen Past Lives den Sprung ans sichere Ufer und liefern ein Album ab, das sich zwar den Vorwurf gefallen lassen muss, nicht ansatzweise an die Originalität der Blood Brothers anschließen zu können, aber doch als gelungener Neuanfang zu verstehen ist.

Denn auch Jordan Blilie (Gesang), Mark Gajadhar (Schlagzeug) und Morgan Henderson (Bass) scheinen die Vergangenheit als The Blood Brothers hinter sich gelassen zu haben und emanzipieren sich vom Sound ihrer Vorgängerband. Schreien will Blilie offensichtlich fast gar nicht mehr und beschränkt sich auf seinen sicher gewöhnungsbedürftigen Gesang. Welchs Gitarre ist angespannt, aber nicht aggressiv und hallt dermaßen stark nach, dass man meinen könnte, die Songs seien in einer ehemaligen Fabrik aufgenommen worden. Ausrasten wird hier niemand mehr, bedacht entwickelt die Band ihren Opener „Paralyzer“, der in seinen vier Minuten immer mehr an Lautstärke gewinnt, ohne jemals zur großen Attacke auszuholen.

Und so verhält es sich auf dem gesamten Debüt: „Tapestry Of Webs“ liefert den Soundtrack für einen paranoiden Spaziergang durch einsame und zwielichtige Seitenstraßen, bei denen man sich ständig umdreht, nur um zu überprüfen, ob man nicht doch einen Verfolger im Nacken hat: „Deep in the valley / Deep in the daydream / Can't find your way? / Turn back the way you came“. „Tapestry Of Webs“ ist düster, in seinen besten Momenten mysteriös und geheimnisvoll, wenn sich beispielsweise die schrägen Gitarren mit den gespenstisch-hypnotischen Backgroundchören der Restmitglieder in Songs wie „Past Lives“ verkrachen oder ganz vereinzelt mit Bläsern untermauert werden („Hex Takes Hold“).

Past Lives arbeiten weniger songorientiert und haben mehr den Blick auf das gesamte Viertel, in dem sie sich rumtreiben, wodurch natürlich auch Abstriche gemacht werden müssen bei Songs wie „Don't Let the Ashes Fill Your Eyes“ oder „Vanishing Twin“, die sich irgendwo in den dunklen Gassen verirren und im nichts verschwinden. Hier hätte die Band vielleicht doch gut daran getan, mehr am Song selbst zu basteln und vor allen Dingen mehr mit Melodien zu spielen. Es fehlen streckenweise einfach die denkwürdigen Höhepunkte. Doch das Ende, „There Is A Light So Bright It Blinds“ stimmt versöhnlich: Hier findet die Band letztendlich doch zur Melodieseeligkeit und zum absoluten Höhepunkt des Albums. „Tapestry Of Webs“ führt den auf der „Strange Symmetry EP“ (2009) eingeschlagenen Weg konsequent fort und kommt insgesamt gerade noch als „gutes“ Album daher. Fans von The Blood Brothers dürften hiermit vielleicht eher was anfangen können als mit Jaguar Love, doch das entstandene Loch können auch Past Lives nicht ausfüllen.

Anspieltipps:

  • Paralyzer
  • Deep in the Valley
  • Hex Takes Hold
  • There is a Light So Bright it Blinds

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