Die Sterne - 24/7 - Cover
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Die Sterne 24/7


  • Label: Materie Records/Rough Trade
  • Laufzeit: 61 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Schon im letzten Jahr brachen Die Sterne mit ihrem knarzigen Indie-Rock samt temporärer Funk-Note und niemals einfach nur beliebigem Pop. Stattdessen funkelten die Discokugeln im polierten Glanz der „Riss“-EP und der Münchner Produzent Mathias Modica aka Munk gab sein Übriges dazu. Vorher wich Organist Richard von der Schulenburg und machte quasi den Weg frei für die Hamburg-München-Connection, welche nun auf Albumlänge das fortführt, was die EP andeutete. Als weiterer Produzent fungiert noch Gregor Hennig, in dessen Le Chatelet-Studio der neue Longplayer „24/7“ nach drei Jahren Entstehungszeit aufgenommen wurde.

Was dabei herausgekommen ist, kann man getrost als durchwachsen bezeichnen und wird neben tollen, faszinierenden Momenten in Form der hin und wieder zum Glück gar nicht so glatten Beats und Hooklines mit gehörigem House-Anteil von einer Fremdschäm-Tendenz im Text von „Ein Glück“ getrübt, dessen Pointe doch arg in Richtung Ballermann schielt. Von einem textlichen Totalausfall sind wir insgesamt gesehen trotzdem meilenweit entfernt, wie nicht zuletzt der eigentliche Titeltrack „Convenience Shop“ zeigt, in dem ironisch die geforderte Dienstleistungsbereitschaft mit einer Verfügbarkeit von 7 Tagen die Woche, 24 Stunden am Tag und stets einem Lächeln im Gesicht beleuchtet wird. Zwischen glückseliger Feierlaune findet sich so immer wieder die aus dem Sterne-Kosmos bekannte, unterschwellige Kritik an der Gesellschaft und erhellt somit den Disco-Pop auf „24/7“.

Musikalisch funkelt „Gib Mir Die Kraft“ mit gradlinigen Beats, schräger Gitarre und einer rockigen Attitüde, die ansonsten dem Synthesizer und programmierten Sounds weicht. So im klavier-betonten Opener „Life In Quiz“ und dem bereits von der EP bekannten „Nach Fest Kommt Lose“, die in ihrer äußerst tanzbaren Ausstrahlung und filigranen Electro-Sounds vor allem live funktionieren werden, wenn die Nebelmaschine angeworfen wird und man sich im Rhythmus der Nacht verliert. So gesehen ist den Sternen eine astreine Party-Platte gelungen, die neben House und Funk auch der britischen Wave-Schule Tribut zollt. Wundervoll da zum Beispiel der Basslauf in „Wie Ein Schwein“ und so manch anderer Moment, wo die Balance zwischen Disco und Songwriting auch im heimischen Wohnzimmer funktioniert. Ansonsten eben Futter für die durchgetanzte Nacht und schlicht Fragwürdiges a la „Ein Glück“.

Anspieltipps:

  • Life In Quiz
  • Wie Ein Schwein
  • Gib Mir Die Kraft
  • Convenience Shop

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