Joanna Newsom - Have One On Me - Cover
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Joanna Newsom Have One On Me


  • Label: Drag City/Rough Trade
  • Laufzeit: 124 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Joanna Newsom! Monumental, gewaltig und wieder wunderschön lauten die Attribute ihres dritten Albums. Ein LP- oder CD-Triplett ist „Have One On Me“ geworden, volle zwei Stunden lang. Und zugleich ein Versprechen auf eine Reise in feminine Welten, empfindsame Gefühlsmitteilungen und kreativste Intonierung hauptsächlich mittels Harfe, Klavier und ihrer Stimme.

Die 28-jährige virtuose Harfenspielerin, mit dem Folk neu auslotenden, überzeugende Kurven beschreitenden, ungewöhnlichem Songwriting, ging dabei rein intuitiv vor. Noch vor Studiobuchung war das für tauglich befundene Material zu lang für ein einziges Album. Der Versuch einer Trennung misslang der Künstlerin, zu dicht stehen die einzelnen Songs für Newsom konzeptuell aneinander. Blieb nur die Möglichkeit vieles wegzuwerfen oder monumental vorzugehen. Glücklicherweise hat sie mit Drag City eine Labelheimat der humanistischeren Sorte erwischt, die ihr die Umsetzung dieser 120-minütigen verwandelnden und in jedem Sinne gut ausgehenden Odyssey barrierefrei ermöglichte.

Die Hälfte der 18 Songs über der sieben Minuten Marke macht eine Annäherung freilich von einigem, zeitaufwendigen Willen abhängig. Kompaktheit ist wahrlich etwas anderes und auf heavy rotation wird die Newsom wohl in keinem Abspielgerät heiß laufen. Und doch: die luftigen, diesmal sparsameren Streicher-Arrangements, oftmals überraschend einpolternde Schlagwerke, ihr pointiertes Klavier- und Harfenspiel, die groovenden, wie die gospeligen Einschübe, ihre sprunghaft flexiblen Gesangsparts und etliche zu beschreiben müßig erscheinende Ideen mehr, machen „Have One On Me“ zu einem Neo-Folk-Kaleidoskop. Auch Werke die man sich nicht beständig zu Gemüte führt können sich in wahrhafter Größe auszeichnen.

„In California” und „Kingfisher“ können dabei beispielsweise als repräsentable Querschnitte durch die kuriose Phantasie-Fahrt gelten – gänzlich zu Facettenreich für kompakte Analysen. Der erste Opener „Easy“ weiß spielerisch als appetizer mit verführerischem Gesang zu locken und in bunter Instrumentierung immer wieder partiell zu explodieren ohne das Fahrwasser aus den Augen zu lassen. Im Titelsong bestimmt ihr Etikett, ihr Harfenspiel, ab und an umsurrt von Flöten, Trompeten oder anderen Besuchern, eine 11-minütige Fremdwelterkundung. Und natürlich kennen auch entrückte Zartheiten, beispielsweise „Baby Birch“, auf diesem Box-Set ihren Platz.

„Have One On Me“ manifestiert ihren Wert im heutigen Indie-Gefilde in beeindruckender Manier. Die Newsom und ihr drittes Album sind ein früher, breit schimmernder Lichtblick in 2010. Man kann das auch viel kürzer fassen: Joanna Newsom!

Anspieltipps:

  • In California
  • Good Intentions Paving Company
  • Kingfisher
  • Easy
  • Baby Birch
  • Have One On Me

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