Erik Sumo Band - The Trouble Soup - Cover
Große Ansicht

Erik Sumo Band The Trouble Soup


  • Label: Le Pop/Groove Attack
  • Laufzeit: 44 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Als Rezensent hat man immer ein mulmiges Gefühl, wenn man eine CD in Händen hält, und man ist sich sicher: Diese Band wird den Durchbruch hierzulande nicht schaffen. Wenn schon Bands wie Grand Avenue, die als dänisches Coldplay gefeiert werden, es nicht schaffen, die deutschen zu begeistern, wie soll es dann eine abgedrehte Rock-Combo aus Ungarn schaffen?

Völlig abseits des breiten Stroms fischen die Osteuropäer in eigenartigen Gewässern, was schon der Auftakt ihres Albums „The Trouble Soup“ deutlich macht. Hier kann man am ehesten noch Skandinavier als Vorbild nennen, denn so Indie klingen sonst nur die großen Blonden. „Loose Parts“ ist ein geruhsamer und ambitionierte, wie auch stimmiger Anklang und geht ins beschwingte pseudo-französische „Secon“ über. Drei Minuten Kauderwelsch, zu welchem sich unsere Nachbarn im Westen wahrscheinlich die Haare raufen werden. Pluspunkte ohne Ende gesammelt. Und die Musik selbst ist auch noch ansprechend. Schnell, aber nicht hektisch, elektronisch und doch immer noch rockig und echt. Ganz und gar nicht künstlich.

Weiter geht es mit Reggae und Kraftwerk-Elektronika („Show Me The Light“, „Dream Machine“), die mit dem eigenwilligen Rockgefühl der Band gemischt werden. Erfrischend und herrlich verrückt. Mal so gar nicht angepasst. Hier wird zwischen den Jahrzehnten der Musikgeschichte hin- und hergehüpft. Wer glaubt, dass dieser verrückte Mix irgendwann seine Eingängigkeit findet, behält Recht und könnte gleichermaßen kaum falscher liegen. Hier ist der Wahnsinn Programm. Psychedelische Elemente jagen sich durch die Tracks, ganz gleich ob überladen („Licence Plate Rock“) oder (verhältnismäßig) ruhige Rocknummer („Little Worm From Hungary“). Die fast normalen Lieder („z.B. „You Never Been My Friend“) erinnern dann wieder an Sverige und Danmark. Dazu knackige Gitarren und nicht weniger Fesche Percussions. Elektronik erklärt sich von selbst, oder?

Warum ausgerechnet ein wirklich gewöhnlicher Krachrocker wie „The Trouble Soup“ den Namen fürs Album spendieren darf, lassen wir mal außen vor. Ein toller Song zum Austoben, aber nicht das Beste, was das Album zu bieten hat. Live garantiert ein Kracher. Keine Frage. Überhaupt wird es jetzt konventioneller. „Disco In My Head“ kommt wieder viel gewöhnlicher daher und nur der Retro-Aspekt bleibt erhalten. So „ruhig“ bleibt es dann bis zum Schluss, auch wenn eine gewisse Kratzbürstigkeit immer vorhanden bleibt und so das Konzept einigermaßen erhalten bleibt. Dies sind die Tracks, die Live bestimmt für die Jubel-Momente sorgen, aber den Feingeist und die besondere Note und den Grund für den fehlenden Erfolg – so paradox es klingt – sind die tollen Soundcollagen aus der ersten Hälfte, die sich immer wieder neu durchs Gehör kämpfen und dem Hirn zu Luftsprüngen verhelfen. Eine ganz und gar nicht versalzene Suppe aus dem Land des vielleicht weltbesten Gulaschs.

Anspieltipps:

  • Secon
  • Licece Plate Rock
  • Show Me The Light

Neue Kritiken im Genre „Indie-Rock“
6.5/10

Niente
  • 2017    
Diskutiere über „Erik Sumo Band“
comments powered by Disqus