Revolverheld - In Farbe - Cover
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Revolverheld In Farbe


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 42 Minuten
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3.5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

„In Farbe“ ist deutsche Rockmusik, wie man sie sich harmloser kaum vorstellen kann.

Revolverheld reiten auch weiterhin auf der „perfekten Welle“ des Deutschrock, sind absolute Radiolieblinge und damit das auch so bleibt, findet sich auch auf Album Nummer drei „In Farbe“ von Johannes Strate (Gesang), Kristoffer Hünecke (Gitarre), Niels Grötsch (Gitarre), Florian Speer (Bass) und Jakob Sinn (Schlagzeug) Musik nach dem bekannten Revolverheld-Erfolgsrezept. Man muss ihnen jedoch schon Respekt dafür zollen, dass sie inzwischen zu einem der größten etablierten deutschen Rockacts gehören und bereits zwei Alben veröffentlicht haben, die jeweils über 100.000 Einheiten absetzen konnten. Dass sie dafür aber auf der anderen Seite auch weiterhin nicht von allen Seiten bejubelt werden, dürfte wohl niemanden verwundern.

„Spinner“, die erste Singleauskopplung, macht dabei auch vieles richtig und wenig falsch: Mit einer simplen Melodie zum Mitsingen, sanftem Akustik-Einstieg und nettem Aufbau mit Kinderchor-Finale verbreitet der Song auf alle Fälle gute Laune. Im Weiteren variieren Revolverheld das Tempo mit dem flotten „Mein Leben ist super“, bei dem der Bass von Florian Speer zwar schön knattern darf, aber leider, wie der komplette Song auch, viel zu glattgebügelt und flach klingt. Balladen haben Revolverheld mit Songs, wie das von Streichern unterstützte „Halt dich an mir fest“ und „Die Liebe liebt mich nicht“, natürlich auch wieder im Gepäck, wobei das leidige Beziehungskisten-Thema natürlich nicht fehlen darf. Und das, obwohl sie doch gar „keine Liebeslieder“ mehr wollen. Huch, was soll denn das?

Schließlich überraschen Revolverheld doch: „Darf ich bitten“ packt in den Strophen ungewohnte Electrobeats aus, die dann im Refrain von den typisch-eingängigen Gitarren überrollt werden. Gleiches gilt für „Um unser Leben“. Doch Revolverheld trauen sich nicht genügend, der kleine Blick über den Tellerrand ist nicht konsequent genug, um als „gelungen“ durchzugehen.

Johannes Strate macht auch weiterhin auf sorglosen Weltverbesserer. In „Spinner“ möchte er all den Träumern endlich den nötigen Kick geben um sich aufzuraffen. Macht's doch so wie er: „Mein Leben ist super“! Dabei reimt der Gute auch weiterhin brav und so simpel wie möglich „Spinner“ auf „Gewinner“ und „werfen“ auf „nerven“. Und doch: Seine Intonation erreicht zu keinem Moment den Tiefpunkt von „Ich werde die Welt verändern“. Das ist doch schon mal was. Und in „Halt dich an mir fest“, eines der typischen Mid-Tempo Liebeslieder, wie sie Silbermond per Fließbandarbeit schreiben, erlangt sein sonst recht ausdrucksschwaches Organ ungeahnte Höhen. Applaus dafür! Doch es bleibt wie es ist: Strate bleibt das schwarze Loch im Revolverheld-Universum. Immerhin: Er hat „Immer einen Grund zu feiern“, daran wird auch diese Kritik nichts ändern.

„In Farbe“ ist deutsche Rockmusik, wie man sie sich harmloser kaum vorstellen kann. Zum Mitsingen, Herumhopsen und gemeinsamen Weltverbessern. Die Fähigkeit, ein paar eingängige Lieder zu schreiben, ist der Band zwar durchaus gegeben, aber sie bleiben eben auch unheimlich altbacken und bieder. Nur wenig sticht heraus oder bleibt hängen, lediglich „Spinner“ schafft es, über die 42 Minuten heraus im Kopf zu bleiben. Wer Revolverheld nie mochte, wird seine Meinung durch „In Farbe“ auch nicht ändern. Alle anderen bekommen genau das, was man von Revolverheld gewohnt ist.

Anspieltipps:

  • Spinner
  • Halt dich an mir fest
  • Alles wird gut

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