The White Stripes - Under Great White Northern Lights - Cover
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The White Stripes Under Great White Northern Lights


  • Label: XL Recordings/ZOMBA
  • Laufzeit: 59 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Wir schreiben das Jahr 2006. Die Fußball-Weltmeisterschaft findet in Deutschland statt und das Land versinkt in Schwarz-Rot-Gold. Aber auch viele andere Farben erstrahlen in den verschiedensten Landesflaggen dieses Planeten und es endet in einer Riesenfete, wo auch alle Tränen schnell vergessen sind. Durch das etwas unglückliche, wenngleich faire Losverfahren für die Tickets kommt es aber schon mal vor, dass man als Deutscher zwischen den Niederlanden und der Elfenbeinküste wählen muss. Die deutsche Nationalhymne fällt also schon mal flach und wie soll denn nun bitte der Torjubel aussehen für die favorisierte Mannschaft oder sogar beide? Nicht selten hörte man ganze Stadien ein und dieselbe Melodie grölen. Sie klang ganz simpel, ging aber nicht mehr aus dem Ohr, wenn die Zuschauer erstmal loslegten. Es ist zu bezweifeln, dass nicht selbst die Spieler dachten: Hey, das ist doch dieser eine Song von den White Stripes.

Wenn es schon so einen Spaß macht, drei Akkorde wieder und wieder zu grölen, wie genial muss dann erst ein ganzes Konzert der beiden Whites sein? Fans schwören auf die intensiven und authentischen Auftritte der Kultband, die seit „Seven Nation Army“ einen Platz im Musikolymp sicher hat. Inzwischen hört man allerdings nicht mehr viel von den Streifen, was an Megs Angstzuständen und Jacks (wohl daraus resultierenden) Nebenprojekten liegen mag. Da bieten sich eigentlich nur zwei Dinge an, bei einer Kassenschlager-Band wie dieser: Best-Of oder Live-Album. Man entschied sich wohl für Letzteres, da es ungewiss ist, wann und ob die White Stripes demnächst auftreten. So ist es natürlich ein Muss für alle, die sie live sahen, sowie alle die das Vergnügen nicht hatten, sich diese Platte als Erinnerung oder aus Interesse zu besorgen. Knappe 60 Minuten sind vielleicht ein wenig dürftig, aber wenn der Klang stimmt, dann vergibt man gerne.

Vergeben und vergessen ist dann auch alles spätestens nach „Black Math“ und „Blue Orchid“. Der Lo-Fi-Klang der den White Stripes einfach liegt, kommt live noch besser herüber und das ganz ohne trashig zu klingen. Man spürt nur die gekonnten, aber nicht perfekten Gitarreneinlagen Jack Whites, das krachende Schlagzeug, welches einfach aber kraftvoll den Hintergrund füllt und dazu den zutiefst angestrengten, aber auch mit Herzblut erfüllten Gesang Whites, was ein einmaliges Klangerlebnis ausmacht. Hier geht es nicht um Perfektion, sondern um geradlinigen Rock, der es nur so scheppern lassen will. Hier und da ein paar Experimente, aber auf einem White-Stripes-Konzert geht es darum, völlig ausflippen zu können. Dieser Funke springt klar auf den Hörer der CD über. Dieses Experiment ist auf jeden Fall geglückt.

Die Auswahl der Stücke ist gut, teilweise auch angenehm überraschend, aber in Anbetracht der Tatsache, dass auf eine handelsübliche CD noch zwanzig Minuten mehr gepasst hätten, wirkt sie ein wenig spärlich. Zu sehr wünscht man sich nach der Stunde noch weitere Hits und merkt schon, dass es ein Unterschied ist, ob man die Stripes live und in Farbe sieht oder eben nur auf Studioalbum. Gerade die beiden letzten Alben sind so gut produziert, dass sie zu ihren Livependants geradezu platt wirken. Hier können die Stripes ihr Potential und ihre Stärke aufzeigen. Ihr Revier noch mal markieren und zeigen, dass sie eine richtige Rockband sind und das ihnen erstmal einer nachmachen soll. Bei allem Respekt auch gegenüber Jack Whites neuen Bands und Projekten. Er hat sich einen Meilenstein gesetzt, der wohl länger überdauern wird, als alles, woran er noch arbeiten wird.

Anspieltipps:

  • Seven Nation Army
  • Fell In Love With A Girl
  • Blue Orchid

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