Amy Macdonald - A Curious Thing - Cover
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Amy Macdonald A Curious Thing


  • Label: Mercury/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein rundum zufrieden stellendes Werk, das belegt, dass es im Augenblick schwer möglich ist, lieblichere Popmusik als die der Schottin zu finden.

Gleich mit ihrem Debütalbum „This Is the Life“ (03/2008) schaffte die Schottin Amy Macdonald als gerade mal 19-Jährige den europaweiten Durchbruch. Vor allem Deutschland schloss den Teenager ins Herz und sorgte für bemerkenswerte Zahlen. So gab es hier allein viermal Platin für 900.000 verkaufte Alben und den Status des erfolgreichsten Debütalbums einer Britin seit zehn Jahren sowie ein Extra-Fähnchen für eines der 20 erfolgreichsten Alben Deutschlands der letzten 20 Jahre. Der Titelsong war in zehn Ländern auf Platz eins der Single-Charts und Macdonalds Tournee entwickelte sich zu einer kaum enden wollenden, stets ausverkauften Mammutveranstaltung.

Das klingt alles wunderbar und wie aus einem Traum, doch irgendwann läutet die Plattenfirma durch und fragt nach neuen Songs. Deshalb begann Amy Macdonald schon im Frühjahr 2009 mit dem Komponieren neuer Stücke. Zudem lag vom letzten Album noch genügend Material auf Halde, das verwendet werden konnte. Und trotzdem sind die Vorzeichen heuer anders. Denn auch bei „A Curious Thing“ wird die Rede davon sein, dass es sich um das berühmte schwere zweite Album handelt, das in Windeseile geschrieben wurde, weil der Markt bedient werden muss.

Ein Qualitätsverlust ist „A Curious Thing“ trotzdem – bzw. zum Glück – nicht anzuhören. Es fällt natürlich bereits bei der ersten Singleauskopplung „Don’t tell me that it’s over“ auf, dass die Songs durch das viele Live-Spielen schneller geworden und grundsätzlich nicht mehr so balladesk angelegt sind. Dafür ist die Produktion etwas gewachsen und nicht mehr auf eine Stimme und eine Gitarre fokussiert. Dennoch haben wir es auf „A Curious Thing“ nicht mit einer aufgeblasen Bombastproduktion zu tun, hinter der sich handwerklich schwache Songs verstecken.

Mit ihrer Bühnenerfahrung aus den vergangenen drei Jahren sowie der Produktion von Pete Wilkinson fügen sich die 12 Songs (plus ein Hidden Track) zu einem stimmigen Ganzen zusammen, das sicher nicht unbewusst stärker in der Popmusik als im Singer/Songwriter-Fach verwurzelt ist. So darf in Songs wie dem treibenden „Spark“ oder „Next big thing“ für Amy-Macdonald-Verhältnisse richtiggehend gerockt werden, während es in „No roots“ und „My only one“ zur Abwechslung anfänglich etwas ruhiger zugeht. Ansonsten hält Amy Macdonald das Tempo hoch, besingt in „Love love“ die, nun ja, Liebe und sorgt dafür, dass ihr Ex-Freund in „This pretty face“ eine Breitseite abbekommt. Das alles passiert mit Amys gewohnt knödelnder Stimme und einem herrlich charmanten schottischen Akzent.

Thematisch geht es in den Songs natürlich auch um Amys neues Leben als Popstar, dem sie kritisch gegenübersteht, wie u.a. in „An ordinary life“ zu hören ist („I wan to be free / I don’t care about the cameras / I don’t care about the lights / All I want is an ordinary life”). Dass aber auch die junge Schottin die Privilegien eines Popstars genießen kann, zeigt die Tatsache, dass ein gewisser Paul Weller (auch bekannt als „The Godfather of BritPop“) in zwei Songs zum Bass bzw. zur Gitarre greift. Ein klassischer Freundschaftsdienst. Denn den netten Herrn Weller durfte Amy bereits vor drei Jahren im Vorprogramm seiner Deutschlandtour begleiten, als die damals 19-Jährige noch total unbekannt war.

So schließt sich der Kreis, der mit „A Curious Thing“ als Ergebnis ein rundum zufrieden stellenden Nachfolger hervorbringt, der belegt, dass es im Augenblick schwer möglich ist, lieblichere Popmusik als die der Schottin zu finden.

Anspieltipps:

  • Spark
  • No roots
  • Love love
  • An ordinary life
  • Your time will come

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