Finntroll - Nifelvind - Cover
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Finntroll Nifelvind


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 46 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Dass Finntroll „in der Nacht geboren“ sind und „aus den Tiefen der Erde“ stammen, weiß man spätestens seit „Natfödd“ (04/2004) und „Ur jordens djup“ (03/2007), doch was es mit dem Höllenwind bzw. „Nifelvind“ auf sich hat, dürfen schwarz gefärbte Humppa-Anhänger erst im neuen Jahrzehnt erkunden, wenn es zum fünften Mal auf Albumlänge in die kunterbunte Welt der finnischen Truppe geht. Als „das bisher reifste Album“ von der Band selbst angepriesen, auf dem von „kraftvollen Death Metal Riffs über dunkle Soundtracks, durchschlagenden Black Metal Passagen und groovigem 80er Pop“ alles zu finden ist, was das Finntroll-Herz höher schlagen lässt, toben sich Mathias Lillmans (Gesang), Samuli Ponsimaa (Gitarre), Mikael Karbom (Gitarre), Sami Uusitalo (Bass), Henri Sorvali (Keyboard) und Samu Ruotsalainen (Schlagzeug) eine gute Dreiviertelstunde nach Lust und Laune aus und liefern eine vorzügliche, wenn auch stellenweise recht fragwürdige Kostprobe ihres Könnens ab.

Bombastisch und mit majestätischer Eleganz trommeln sich Finntroll in „Blodmarsch“ erst einmal ihre primitive Seele aus dem Leib, schüren damit auf bestem Soundtrack-Niveau Lust auf Mehr, legen in „Solsagan“ sofort einen Zahn zu, rasen auf der Black Metal-Raubsau durchs Unterholz, während im Hintergrund flotte Bläsersätze das wilde Treiben unterfüttern und Lillmans Krächzen die wuchtige Bassdrum in die Schlacht schickt, bis „Den frusna munnen“ mit xylophonartigen Klängen die düstere Stimmung auflockert und klassische Metalstrukturen mit massivem Groove die Unterwelt zum Beben bringen. Anschließend wird in „Ett norrskensdad“ folkloristischen Elementen Einlass geboten, die sich sogleich mit dem stapfenden Grundrhythmus verbinden, wodurch am besten die eigene Vorbildwirkung bzw. Parallelen zu den Vorreitern oder Epigonen im Genre wie Amorphis, Ensiferum, Korpiklaani oder Eluveitie gezogen werden kann.

„I trädens sang“ ist dann zwar der konventionellste Beitrag auf „Nifelvind“, knallt aber durch seine räudigen Drohgebärden in tiefstem Schwarz am heftigsten in die Birne. Dafür holt das episch angelegte „Tiden utan tid“ den Hörer wieder auf den Boden der Tatsachen, weil weder die an Karnevalsmusik erinnernden Einsprengsel, noch der bierselige Humppa-Takt für Freudentänze sorgen und diese in „Under bergens rot“ und „Fornfamnad“ sogar noch stärker in den Vordergrund treten, dass man sich statt einer musikalischen Nacherzählung eines albtraumhaften Hieronymus Bosch-Gemäldes oder Tim Burton-Streifens zu lauschen vorkommt als würde gerade ein Tom & Jerry-Cartoon laufen. Dafür machen Finntroll mit der gemächlichen Lagerfeuerballade „Galgasang“ nicht viel falsch und zeigen in „Mot skuggornas värld“ wie ein durchgeknallter Extrem Metal-Track zu klingen hat, der gut aufgelegte Streicher, Bläser und Perkussion in Einklang mit wutschnaubenden Gitarren, Drums und einer Raspelstimme bringen will.

Der sieben Minuten lange Rausschmeißer „Drap“ bündelt dann alle auf „Nifelvind“ verwendeten Elemente in eine einzige dunkle Achterbahnfahrt, bleibt aber bis auf den abgedrehten Mittelteil letztendlich zu überschaubar und routiniert als dass hier noch ein Höhepunkt dabei herausgekommen wäre. Finntrolls Fünfte bleibt sich eben wie schon die anderen Alben davor selber treu und schert sich einen feuchten Dreck um Erwartungsdruck, weitreichende Innovationen oder ähnlichen Nonsens, sondern knallt dem Hörer mal gepflegt einen vor den Latz nur um im nächsten Moment die Hauptattraktion am Rummelplatz zu sein. Und mit ein paar Bier im Kreislauf ist das alles sowieso nur halb so schlimm. Na dann Skål!

Anspieltipps:

  • Solsagan
  • I Trädens Sang
  • Den Frusna Munnen

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