Diary About My Nightmares - Forbidden Anger - Cover
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Diary About My Nightmares Forbidden Anger


  • Label: Unexploded Records
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
8.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Vor etwas mehr als einem Jahr schwappte aus Amerika eine mächtige Death Metal-Breitseite herüber, die zwar umsatztechnisch für nicht viel Aufsehen sorgte, dafür aber in eingeschworenen Kreisen umso mehr geschätzt wurde. Die Rede ist von Dreaming Deads Debüt „Within one“ (01/2009) mit Elizabeth Schall als röhrender Hirsch oder (im positivem Sinne gemeint) wandelndes Dani Filth-Imitat (Cradle Of Filth), die mit ihren zwei weiteren Mitstreitern mit großartiger Atmosphäre im harten Mantel für ein großartiges Album am Extrem Metal-Sektor gesorgt hat. Dass es derartige Vorschlaghämmer nicht nur auf der anderen Seite der Welt gibt, zeigen nun die Braunschweiger von Diary About My Nightmares (kurz D.A.M.N.) und legen mit ihrer zweiten Langrille „Forbidden anger“ einen ähnlich wütenden Brocken vor.

Wer die Truppe rund um Mikrophonschwingerin Antonie Mrusek, Daniel Thunig (Gitarre), André Epp (Gitarre), Mat Rahlmeyer (Bass) und Regi Sukopp (Schlagzeug) schon bei ihrem in Deutsch gehaltenem Debüt „Das Vermächtnis“ aus 2006 kennen lernen durfte, wird zwar halbwegs wissen, was auf einen zukommt, doch nicht nur die in Englisch vorgetragenen Texte versprühen verstärkt internationales Flair, sondern auch die musikalische Ausrichtung schlägt trotz beherztem Old School-Flair einen moderneren Weg ein und knallt mit Blastbeats und kompromissloser Bedienung dem Hörer einen vor den Latz. Dabei halten sich Mrusek & Co. zu Beginn mit dem gemächlichen Intro „Urt la bu tral“ auf und lassen erst in „Lost in lines“ den Teufel von der Leine, doch das Konzept von Dynamik und verschiedenem Tempo geht voll auf und sorgt sofort für ungeteilte Aufmerksamkeit, denn auch in „Close to the border“ geht es nicht gerade zimperlich zu.

Anschließend geht es mit „Deathinfection“ in die Bollerbeat-Abteilung von At The Gates und „Hate“ liefert einen gefälligen Melodic Death-Prügel im Stile Dark Tranquillitys ab, während „Ewigkeit“ als einziger in Deutsch ausgekotzter Track einen Abstecher nach Florida macht und „First class suicide“ als ruhiges Instrumental-Intermezzo mit Akustikgitarrenunterstützung den scheinbar unaufhaltsamen Rammbock „Forbidden anger“ vorerst besänftigt. Der Titeltrack meint es dann aber wieder verdammt ernst und zieht, bevor es mit „Across the street“ und „Hall of fame“ stilistische Stangenware gibt, in seinen sechs Minuten alle Register des Melodic Death Metal, angefangen von der brettharten Einleitung, bis hin zum brachialen Zwischenteil, der erneut das größte Manko am Zweitling von D.A.M.N. offenbart: Die unausgegorene Produktion.

Sicherlich wäre es vermessen dadurch gleich den kompletten Longplayer zu verteufeln, aber gerade bei den sich aufbäumenden, herrlich in Szene gesetzten Knüppelparts macht die leicht übersteuerte Abmischung schnell schlapp, die Gitarren kratzen im Gehörgang, die Doublebass poltert stur vor sich hin und die Wucht der mächtigen Klangwand schrumpft auf ein normales Maß hinunter, weil der Regler nach links zurückgedreht werden muss. Wäre dies nicht der Fall gewesen, hätte hier von einem sehr soliden, ja beinahe unkaputtbaren Beitrag für die deutsche Metalszene gesprochen werden können, doch so muss es eben bei einem etwas unzufriedenstellenden Kompromiss bleiben.

Anspieltipps:

  • Hate
  • Deathinfection
  • Forbidden Anger

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