Dark Tranquillity - We Are The Void - Cover
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Dark Tranquillity We Are The Void


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
7.5/10 Leserwertung Stimme ab!

„Aus großer Kraft folgt große Verantwortung“ wussten schon die Spiderman-Comics zu berichten und wenn der schwedische Melodic Death Metal mit Dark Tranquillity eines seiner kräftigsten Zugpferde besitzt, dann müssen sich Mikael Stanne (Gesang), Niklas Sundin (Gitarre), Martin Henriksson (Gitarre), Daniel Antonsson (Bass), Martin Brändström (Keyboard) und Anders Jivarp (Schlagzeug) demzufolge stets bewusst sein, was es bedeutet mit „I am the void“ das neunte Album nach 20 Jahren Bandgeschichte auf den Markt zu werfen und welche Verantwortung und Fragestellungen eine solche Veröffentlichung in der Szene mit sich bringt. Ereilt die Truppe der künstlerische Stillstand, verlieren sich die sechs Herrschaften in belanglose Standardtracks, die nicht der Rede wert sind oder knallen Dark Tranquillity ein von vorne bis hinten gnadenloses Meisterwerk auf den Tisch, dass es nur so kracht?

Nachdem es mit dem historischen Rückblick „Out of nothing“ und einem der am besten eingefangenen Live-Konzerte auf „Where death is most alive“ (10/2009) einen gelungenen Querschnitt durch das Schaffen des schwedischen Genre-Aushängeschildes gab, wäre es nur allzu logisch, dass „We are the void“ alle in den letzten zwei Dekaden gesammelten Tugenden in einen Topf wirft und diese mit der richtigen Portion Frische ohne große Experimente im neuen Jahrzehnt der großen Anhängerschaft präsentiert um diese nicht vor den Kopf zu stoßen. Streng genommen ist der neunte Longplayer des Sechser letzten Endes genau das geworden. Er führt die hohe Qualität der Vorgänger „Character“ (01/2005) und „Fiction“ (04/2007) fort, verzichtet aber fast vollständig darauf neue Seiten des Melo Death-Acts zu offenbaren und stagniert dabei auf gutem Oberklasse-Niveau.

Einzig und allein Sänger Stanne darf auf „We are the void“ eine Weiterentwicklung zugesprochen werden, die er in fast jedem Track mit durchschlagender Präsenz dem Hörer um die Ohren haut. Egal ob es das bereits bekannte Krächzen („Shadow in our blood“, „Dream oblivion“), schmeichelnde Klargesänge („The grandest accusation“, „Her silent language“, „Iridium“) oder tiefes, durch Mark und Bein fahrendes Gurgeln („At the point of ignition“) ist, auf das Konto des 35jährigen darf nicht nur das Gelingen der erstklassigen Atmosphäre des Albums verbucht werden, sondern auch der bleibende Eindruck, den so manche überschaubare Komposition auf „We are the void“ nicht erreicht hätte, wird durch Stanne aufgewertet. Nebenbei erwähnt schafft es der Dark Tranquillity-Frontmann noch dazu mit seiner warmen Singstimme in den schaurig-schönen Nummern „Her silent language“ und „Iridium“ eine stilistische Brücke zu den Dark Rockern HIM zu schlagen, mit dem Unterschied, das der Melo Death der Schweden neben seiner Härte besser und authentischer klingt als das finnische Pendant.

Was jedoch die übrigen Songs anbelangt, so hat sich der Sechser wie bereits erwähnt auf bekannte Trademarks berufen, schüttelt diese locker und ohne viel Anstrengung aus dem Ärmel und bestätigt damit eher die Klasse des eigenen Songwritings anstatt mit neuen Ideen zu faszinieren. Keyboarder Brändström darf gelegentlich stärker auf die Tasten hauen, was z.B. ein grandioses Stück wie „The fatalist“ zu Folge hat, und es gibt leichte Black Metal-Einschläge („Surface the infinite“), aber alles in allem verrichten Dark Tranquillity Dienst nach Vorschrift, selbst wenn dies auf einem extrem hohen Level passiert. Nach etwas mehr als einer Dreiviertelstunde ist der Hörer jedenfalls sichtlich zufrieden, ein Meisterwerk hört sich dann aber doch anders an.

Anspieltipps:

  • Iridium
  • The Fatalist
  • Her Silent Language
  • At The Point Of Ignition

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