Liars - Sisterworld - Cover
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Liars Sisterworld


  • Label: Mute/EMI
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Im Wechselbad der Gefühle, aber nach wie vor apokalyptisch thronend wie das Antlitz des Teufels über den lodernden Flammen.

Mit Album Nr. 5 „Sisterworld“ melden sich die Liars nach dem selbstbetitelten Vorgänger (2007) gewohnt vielschichtig und dunkel pochend zurück. Aufgenommen wurde zusammen mit Tom Biller (Kanye West, Beck), um schließlich thematisch die Underground-Kultur in New York zu erkunden. Nicht nur die Internet-Seiten der Liars sind sehr speziell gestaltet, auch das Auftreten gibt mitunter Rätsel auf, die sich zumindest teilweise mit der Begründung von künstlerisch wertvoller Verweigerungshaltung lösen lassen. Irgendwie schon seltsam, wie eine Band so bemüht scheint, Mythen zu formen und dabei trotzdem ernstzunehmend bleibt. Diese Mischung beherrschen sie jedenfalls, wenn man das Songwriting auf „Sisterworld“ und die Verarbeitung der mannigfaltigen Ideen als Maßstab nimmt.

Noch dazu gibt es auf der dem Autor nicht vorliegenden Bonus-CD die unfassbar namhafte Mixtur aus Thom Yorke, Tunde Adebimpe (TV On The Radio), Melvins sowie Chris & Cosey (Throbbing Gristle) und weiteren Künstlern, die sich in Form von Remix-Arbeiten dem gesamten Album gewidmet haben. Da muss man schon Vorlagen liefern, die betören und ergreifen, damit der Hörer vor lauter Faszination für die Remixer nicht noch die ausschlaggebenden Verantwortlichen für „Sisterworld“ aus den Ohren verliert. Ergebungsvolle Ohnmacht ist jedoch völlig übertrieben bei diesem Grusel-Kabinett aus schräg-wütendem Proberaum-Charme a la Noise-Rock und den cineastisch-verstörenden Klangwelten aus einem fernen Land, in dem die Nacht regiert. Beim Auftakt von „Scissor“ anmutig und dank der sakral tönenden Stimmen samt Chor-Gesang feierlich in Moll gehalten, gesellen sich Streicher und Piano-Tupfer zur atmosphärischen Schwermut, ehe die Drums und stürmische Gitarrenarbeit über den Song hereinbrechen.

Im Wechselbad der Gefühle, aber nach wie vor apokalyptisch thronend wie das Antlitz des Teufels über den lodernden Flammen, geht es weiter. Immer wieder türmen sich aufblitzende Gitarrensounds und rumpelnde Drums auf die ansonsten ruhig strahlenden, improvisiert wirkenden Elemente. Diese bewegen sich in Gefilden wie Krautrock, Ambient, düsterem Indie-Pop mit Avantgarde-Note, während der andere Teil von „Sisterworld“ seine Heimat im hemdsärmeligen Lofi-Rock findet, wie „Scarecrows On A Killer Slant“ oder „The Overachievers“ röhrend simpel zeigen. Wären da die Ruhepole nicht so vereinnahmend ausformuliert, hätte es durchaus eine triste Angelegenheit werden können. So lebt das Album von seinem Forscherdrang, dunkle Welten verschiedener musikalischer Ausrichtung stimmungsvoll und spannend zu vereinen. Kaum fassbar, aber als Ganzes in der Tat betörend.

Anspieltipps:

  • Scissor
  • No Barrier Fun
  • Drip
  • Proud Evolution

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