Gabriella Cilmi - Ten - Cover
Große Ansicht

Gabriella Cilmi Ten


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 48 Minuten
Artikel teilen:
4.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Sex-Sells-Offensive anstatt guter Musik. Ein klarer Rückschritt.

Vor zwei Jahren erschien eine gewisse Gabriella Cilmi (18) aus Australien als schüchterner Teenager mit ihrem Debütalbum „Lessons To Be Learned“ (07/2008) im Fahrwasser des britischen 60s-Soul-Revival auf der Bildfläche und landete damit sowie den zahlreichen Singleauskopplungen weltweite Hits. Dabei war der Sound der hübschen Italo-Australiern weit weniger von den Retro-Vorreiterinnen Adele (22), Duffy (26) und allen voran Amy Winehouse (27) geprägt, wie der Ohrwurm „Sweet about me“ (u.a. Top 3 in Deutschland, Österreich, Schweiz und Australien) vermuten ließ. Gabriella Cilmi und das von Brian Higgins (44) gegründete Produzenten-Team Xenomania (Pet Shop Boys, Kylie Minogue, Sugababes) sorgten von Anfang an für eine deutlich stärker in Richtung Dancefloor orientierte Auslegung des 60s Soul, mit der die vermeintliche Trend-Anbiederung einigermaßen gut kaschiert werden konnte.

Auch mit ihrem zweiten Album möchte Gabriella Cilmi diesem gewissen Retro-Stil treu bleiben, nur dass dieser heuer in Richtung New Wave, Disco und Glam-Pop á Georgio Moroder, Blondie und Donna Summer abzielt. Denn die 18-Jährige hat die „junge, heiße Disco-Diva“ in sich entdeckt – und ihre Wirkung auf das männliche Geschlecht, wie unlängst Fotos in Unterwäsche für ein Herrenmagazin zeigten. Jetzt macht uns also nicht nur Miley Cyrus die Britney, sondern auch Gabriella Cilmi – schön zu sehen im Videoclip zur ersten Singleauskopplung „On a mission“, die den „Sweet about me“-Erfolg bis auf einen Top-10-Platz in England nicht bestätigen konnte. Sei’s drum. Das CD-Booklet wird man(n) sich gerne mehr als einmal vornehmen.

„Ten“ wurde wiederum von den Xenomania-Leuten produziert, ergänzt um die Künste von Dallas Austin (TLC, Michael Jackson, Madonna, P!nk), Danger Mouse (Beck, Gorillaz, The Black Keys), Greg Kurstin (Lily Allen, Sia, Britney Spears) sowie Invisible Men Entertainment. Dieses erfolgsgewohnte Studioteam zauberte der Australierin einen quietschbunten Electro-Glam-Pop-Sound auf den Leib, der wohl auch vom Erfolg einer Lady Gaga inspiriert ist. So peitscht „On a mission“ mit aggressiven Beats, E-Gitarren und brechstangenartigem Refrain durch die Lautsprecher, während „Hearts don’t lie“ schnurstracks in Richtung 80er-Jahre-Disco steuert und „What if you knew“ alles aus dem Synthesizer herausholt.

Schon nach drei Songs ist klar, mit „Lessons To Be Learned“ haben die neuen Tracks nur noch die tolle Stimme von Frau Cilmi gemein. Daran gilt sich zu gewöhnen. Und wer ein ernsthaftes Problem mit den synthetischen Disco-Klängen der 70er/80er Jahre hat, wird auch mit „Ten“ seine Schwierigkeiten bekommen. Denn die Alternativen sind rar gesät. Da wäre zum einen die stark gesungene, aber brave Ballade „Defender“ und das von Greg Kurstin polierte „Superman“, die sich allerdings mit langweiligen Stücken wie „Boys“, dem mit einem netten Refrain gesegneten, aber sonst eher blutleeren Track namens „Robots“, der pumpenden Rummelplatznummer „Superhot“ und dem wie ein Britney-Spears-Outtake klingendem „Invisible girl“ herumschlagen müssen.

Kein Wunder, dass zum Schluss tatsächlich noch mal „Sweet about me“ als 2010er Version herhalten muss – und die Kohlen auch nicht mehr aus dem Feuer holen kann. Denn dazu sind die meisten Songs auf „Ten“ zu schwach und wie im Fall von „Glue“ einfach nur stumpfsinnigem Geboller ausgesetzt, das Gabriella Cilmis Stimme nur schwer zur Geltung kommen lässt. Damit erleben wir im Vergleich zu „Ten“ leider einen klaren Rückschritt, den auch die Sex-Sells-Offensive der 18-Jährigen („Wir Italienerinnern sind stolz auf unsere Körper“) nicht ausgleichen kann.

Anspieltipps:

  • Defender
  • Superman
  • Let me know
  • On a mission
  • What if you knew

Neue Kritiken im Genre „Pop“
5.5/10

Songs Of Experience
  • 2017    
Diskutiere über „Gabriella Cilmi“
comments powered by Disqus