Quasi - American Gong - Cover
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Quasi American Gong


  • Label: Domino/INDIGO
  • Laufzeit: 42 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine in Deutschland weitgehend unentdeckte Perle des schrägen und trotzdem melodieverliebten Indie-Rocks ist das ehemalige Duo Quasi aus dem amerikanischen Portland. Mittlerweile zum Trio herangewachsen, melden sich Sam Coomes (Gesang, Gitarre, Keyboard), Janet Weiss (Schlagzeug) sowie der Neuzugang aus dem Jahre 2006 Joanna Bolme (Bass) von Stephen Malkmus & The Jicks mit einem Aufbruch von Album zurück, das sie passenderweise „American Gong“ betiteln. Beherzt krachige Arrangements treffen auf melancholische Ruhepausen, um im nächsten Moment wieder all den Frust von der Seele zu rocken. Seit der Gründung vor 17 Jahren prägten Quasi selbst den Sound, der an in bestem Sinne unmoderne Bands wie Pavement, Sonic Youth und ebenso großartiges, leider nur abseitig wahrgenommenes wie Neutral Milk Hotel erinnert. Keine Kopie, keine Nachahmer, sondern eigenwilliger Indie-Rock, der seinen Namen noch verdient.

Man höre nur „Bye Bye Blackbird“: Mit einer unwiderstehlichen Hookline ausgestattet, abgehangen in bester Slacker-Tradition von Sam Coomes gesungen und durch weibliche Backing Vocals veredelt, schichtet sich die Gitarren-Eruption über das vertrackt im Blues genau so wie straight im Rock beheimatete Schlagzeug und lässt einen staunend zurück. Wenn das Feedback-Gewitter den Song zu beenden scheint, holen erneut diese großen Melodien zum Gänsehaut-Finale aus, um schließlich nicht mehr zu wissen, ob das nun schon Singer/Songwriter ist oder immer noch Indie-Rock mit dem harmonisch faszinierenden Etwas. Was es auch immer ist, es ist auf höchstem Niveau und stets zupackend, gerade weil auch Melancholie den trotzigen Reigen ergänzt.

Diese strahlt nach dem Genuss der Schlusslichtes „Laissez Les Bon Temps Rouler” besonders hell, ist er doch eine getragene Piano-Ballade mit einem schmachtenden Sam Coomes am Mikro und lässt einen im Anschluss erneut die Play-Taste drücken, um vom Opener “Repulsion” drängelnd rockend erfasst zu werden. Lofi-Charme trifft auf punktgenauen, mitunter rhythmisch aufgelockerten Indie-Rock der erfrischend altmodischen Schule, lautes Statement mit Ohrwurm-Garantie und nachdenklichen Zwischentönen, die dann am besten sind, wenn Janet Weiss den Gesang um ihre Stimme erweitert. Ein Album, wie gemacht für die Live-Umsetzung und genau so schön in der Dauerbeschallung zuhause, denn was auf “American Gong” passiert, ist zeitlos packend - ob Anfang der Neunziger oder im Jahre 2010.

Anspieltipps:

  • Little White Horse
  • Bye Bye Blackbird
  • Rockabilly Party
  • Laissez Les Bon Temps Rouler
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